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- „Dahn
und sein Felsenland sind schon seit langer Zeit weit über die Felsen der Pfalz
hinaus bekannt und berühmt. Spricht man von Großartigen und romantischen
Felsenpartien, so muss die Umgebung von Dahn mitgenannt werden. Nirgends sind
aber auch die Formen des Sandsteins kühner und abenteuerlicher, nirgends sind
diese seltsamen Felsenbildungen so dicht beisammen, und nirgends ist der
Gegensatz zwischen wilden, schauerlichen Felsenpartien und lieblichen und
anmutigen Wiesentälern größer als in dem Dahner Tale. Dasselbe erstreckt sich
in einer Länge von sechs Stunden bis nach Weißenburg und wird durchströmt von
der Lauter, einem klaren Forellenbache, der seinen Namen mit vollem Rechte führt.
Nach allen Richtungen hin laufen Seitentäler aus, die sämtlich dem Haupttale
gleichen. Eine Menge Burgruinen, die auf den umliegenden Bergen sich erheben,
zeigen, dass in älteren Zeiten ein bewegteres Leben in der Gegend geherrscht
haben muss, als dies jetzt der Fall ist. Ob es auch ein besseres war als jetzt,
darüber kann kein Zweifel sein, wenn wir hören, dass nicht wenige der
Burgbesitzer sich als Raubritter vom Stegreife nährten.
- Der
sehenswerte Teil des Tales ist der zunächst um Dahn gelegene. Allerdings finden
wir hier nicht die Milde, Freundlichkeit und Fruchtbarkeit der vorderen Pfalz;
statt der Weinreben nur wilde Brombeerhecken, statt der Kastanienwälder nur
Tannen, Föhren und Buchenhaine; statt des üppigen Fruchtfeldes nur kahle
Felsenhänge, denen man mit äußerster Mühe im Sande die genügsame Kartoffel
abgewinnt. Da blüht keine Mandel, da blüht kein Pfirsich mehr auf den Höhen;
nur noch der Holunderbaum und der Schlehdorn nicken mit weißen Blüten von den
Felsen im Frühlingswinde. Und doch ist es schön, prächtig bei Dahn, es ist
die wilde, schauerliche und furchterregende Schönheit, die hier vor uns liegt.
Dahn selbst ist ein schöner, freundlicher Flecken, ganz von Bergen
eingeschlossen, an deren Abhängen die Bewohner ihre wenigen Felder angelegt
haben. Gleich am Eingange des Ortes gegen Westen hin steigt eine ungeheure
Felsenwand senkrecht in die Höhe. Einige Häuschen schmiegen sich an den Fuß
derselben an und schwärzen mit ihrem Rauch die drohende Wand. Hoch oben auf
seiner Spitze trägt der Fels ein vergoldetes, weithin sichtbares Kreuz. Hier
ist der Jungfernsprung, dessen Name die Sage erklärt. Vor alten Zeiten wurde
einmal ein Mädchen dort oben im Walde von einem Jäger verfolgt, und da sie auf
dem Kamme des Berges, von Fels zu Fels geflohen, sich nicht mehr zu retten
wusste, stürzte sie sich von der vorspringenden Bergstirne hinab in den
Abgrund. Wunderbar gerettet kam sie unten auf den Wiesengrund, wo alsbald eine
Quelle aufsprudelte, die heute noch lebendig ist.
- Auf
der entgegengesetzten Seite des Fleckens sind’s nur wenige hundert Schritte zu
einem eben so interessanten Felsen, dem Hochsteine auf dem Schützenberge. Ein
Felsenriff ist durch eine tiefe Kluft gespalten, so dass frei und hoch der mächtige
Hochstein empor starrt und, von ferne gesehen, einem riesigen Dome ohne Turm
nicht unähnlich ist. Klein und winzig erscheint daneben eine alte, dem hl.
Michael geweihte Kapelle. Diese Stelle ist ausgezeichnet durch die prächtige
Aussicht, die man von hier aus genießt. Jenseits der Lauter und des frischen
Wiesengrundes starrt ein seltsam verwitterter Felsenkamm ins Tal, der uns eine
ganze Reihe gewaltiger Burgtrümmer mit Türmen, Toren, Fenstern und Zinnen
vorspiegelt. Und ringsrum sehen wir ähnliche Bildungen. Nach Nordwesten hinein
zieht sich eine Reihe tiefbewaldeter Berge, aus deren Buchenwipfeln eine
wirkliche Burg, Neudahn, ihre verfallenen Zinnen reckt.
- Uns
im Rücken, in nächster Nähe, erwarten uns andere Merkwürdigkeiten. Dort in
der Wildnis ragen über das hohe Riff des Berges kühne, gewaltige Trümmer
einer Doppelburg hart nebeneinander, so dass sie nur eine einzige große Ruine
zu sein scheinen. Es sind die Felsennester Altdahn und Grafendahn, einst die
Sitze der berühmten Ritterschaften „von Than“, Bundes- und Fehdegenossen
des Franz von Sickingen. Nach dessen Fall sahen auch sie ihre Burgen sinken
unter den Brandfackelnder verbündeten Fürsten und nochmals untergehen durch
den General Monclar von Landau aus. Seitdem ist es still hier im wilden
Wasichenforste. Leer und öde steht das Getrümmer der Doppelburg, und auf den
Zinnen stehen nur noch im Wind nickende Bäume statt der Ritter und Knappen. –
- Drei
Stunden von Dahn südwärts liegt das Dörfchen Schönau, das seinen Namen
seiner schönen Lage verdankt. In der Nähe auf der Spitze des höchsten Berges
in der Gegend lag die ehemalige Reichsfeste Wegelnburg, welche später den
pfalz-zweibrückischen Herzögen gehörte und 1680 durch die Franzosen zerstört
wurde. Nur sehr wenige Reste sind von der Burg noch übrig; kaum lässt
einzelnes Gemäuer noch erkennen, dass auf dieser Stelle eine Menschenwohnung
gestanden. Es erfordert große Mühe und Anstrengung, bis auf den höchsten
Punkt zu gelangen, und nur schwer findet man sich in der Wildnis zurecht, welche
den oberen Teil des Berges bedeckt. Die Volkssage behauptet, eine verzauberte
Prinzessin harre hier oben auf Erlösung in einem Gemache, welches mit Gold und
Silber und Edelsteinen angefüllt sei. Alle aber, welche sich zu diesem Zwecke
naheten, würden von neckischen Geistern, welche die Schätze bewachten, irregeführt.
Hat man aber die Höhe glücklich erreicht, so wird man durch die herrlichste
Aussicht überrascht. Weit hinein nach Elsass dringt der Blick über waldige
Berge und gesegnete Fluren. Auf der andern Seite trifft das Auge auf die Höhen
des Haardtgebirges und überschaut in einem Blicke die ganze wunderbare
Felsenwelt von Dahn. Gerade gegenüber auf beinahe gleich hoher Bergspitze
zeigen sich die Ruinen der ehemaligen Sickingischen Feste Hohenburg und etwas
tiefer die merkwürdige Burg Fleckenstein. Ganz unten am Fuße des Berges ruht
unter Obstbäumen in malerischer Lage das Dörfchen Nothweiler, welchem gegenüber
sich die Ruine Kulmenfels sich erhebt.
- Eine
der sehenswertesten Burgen der ganzen Gegend ist bei dem Dorfe Busenberg auf
einem steilen Berge liegende Drachenfels. Von dem Mauerwerk ist nur noch wenig
zu sehen. Dagegen ist die Bearbeitung des Felsens welcher der Burg zur Unterlage
diente, so merkwürdig, dass es sich wohl der Mühe lohnt, den Berg zu
ersteigen. Wie ein nagender Wurm hat der Mensch den ganzen Felsen ausgehöhlt,
nach den verschiedensten Richtungen hin Gänge hindurchgeschrotet und Gemächer
gebohrt. Man weis nicht, soll man mehr staunen über den Gedanken zu einem
solchen Riesenwerke oder über die wirkliche Ausführung. Durch die dunklen Gänge
im Bauche des Felsens gelangt man empor bis zu der schwindelnden Höhe, von wo
sich eine so merkwürdige schauerliche und wilde Aussicht auftut, wie man sie
bisher noch kaum gesehen. Da liegen sie in öder, stiller, wenig bewohnter
Natur, die gespensterhaften Erscheinungen von Riesenburgen und Felsenschlössern
ringsumher. Da liegen und stehen versteinerte Figuren, gleich Ungeheuern der
Vorwelt. Klein und machtlos erscheint sich hier der Mensch. Wenn irgendwo, so
muss ihm hier dieser gewaltigen Natur gegenüber seine Ohnmacht klar werden.
Zugleich aber wird auch ein stolzes Gefühl ihn beschleichen, wenn er bedenkt,
dass ihm dennoch vergönnt ist, diese Natur in seinen Dienst zu zwingen.“
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- Der
pfälzische Berufsschriftsteller August Becker lebte von 1828-1891, Mit
19 Jahren
verlässt Becker sein Heimatdorf Klingenmünster, um nach München zu gehen.
Von da an wird er nur noch als Reisender in die Pfalz kommen. Bekannt sind
heute fast nur noch seine pfälzischen Bücher, "Hedwig, ein Roman aus
dem Wasgau", "Die Nonnensusel - Roman aus dem Pfälzer
Bauernleben" wohl zu den populärsten Arbeiten seines Werkes zählen.
- "Das
Verhältnis Beckers zur Pfalz ist geprägt von enttäuschter Liebe. Nach
seiner letzten Reise dorthin im Jahre 1874 ist er nicht mehr in die Pfalz
zurückgekommen. Er hat es seiner Heimat nicht verziehen, dass er dort so
wenig Resonanz fand, und dass man nichts tat, um ihm dort ein Auskommen zu
sichern. Heimisch ist er in der Fremde nicht geworden. nach München gab es
keinen Weg zurück und Eisenach wurde ihm zum Lebenslänglichen Exil, in dem
er die Weltläufigkeit des Hauptstädters allmählich einbüsste",
schreibt Jürgen Vorderstemann in dem Begleitbuch zur Ausstellung der
Pfälzischen Landesbibliothek Speyer 1991 aus Anlass des 100. Todesjahres
von August Becker.
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