- Die sieben
Gemeinden des Amtes Dahn zahlten im 18. Jahrhundert neben der Grundsteuer an
Schatzungen zusammen 223 Gulden im Jahr, nämlich 200 an den Fürstbischof von
Speyer, den Rest an die Freiherren von Waldenburg. Dahn allein erbrachte an
Schatzungen über 59 Gulden. Insgesamt kann die Steuerlast im Vergleich zu
umliegenden Herrschaften als noch erträglich bezeichnet werden, was einerseits
natürlich auf die vergleichsweise Dürftigkeit der landwirtschaftlichen
Verhältnisse in der Waldgegend zurückzuführen ist: mehr war aus Land und
Leuten einfach nicht herauszuholen. Auf der anderen Seite trug die relative
Zurückhaltung der fürstbischöflichen und waldenburgischen Besteuerung aber
zweifellos dazu bei, dass sich der bescheidenen Wohlstand heben konnte.
- Das Leben in Dahn
des mittleren 18. Jahrhunderts war für die knapp 600 Einwohner zwar keine
Idylle, aber ungleich besser, als es das leben hundert Jahre davor gewesen war.
Das größte Problem, mit dem sich der Ort als ganzes damals herumschlagen
musste, waren die Aktivitäten des hochstiftlichen-speyerischen Oberförsters Hanitz in Hinterweidenthal. Dieser
Forstmann betätigte sich nämlich in großem
Umfang als Urkundenfälscher. Ausgehend von einem Streit mit der
fürstbischöflichen Regierung über Rechte und Gerechtsame, vor allem der
Waldrechte, richtete er im Hinblick auf die Besitz- und Nutzungsverhältnisse
heillose Verwirrung an; natürlich zugunsten seines wenn schon nicht Auftrag-,
so doch Arbeitgebers. Nicht nur Dahn, auch andere Orte waren von den
Hanitz'schen Aktivitäten betroffen. Langjähriges Prozessieren hub an.
- In den Jahren
1786/1787 wurde in Dahn die Pfarrkirche neu erbaut. Am 14. Juli 1789 begann mit
dem Sturm auf die Bastille in Paris die Französische Revolution.
Unzufriedenheit mit manchen heimischen Verhältnissen sorgte dafür, dass die
Aufstandsbewegung sehr rasch auch in die südpfälzischen, schon seit dem
vorigen Jahrhundert ohnehin von Frankreich kontrollierten Territorien der
deutschen Fürsten herüberschwappte. Während vor allem die waldenburgischen
Untertanen des Amtes Dahn ihre herrschaftlichen Beamten vertrieben, sich
vergeblich auch als Brandstifter an der bischöflichen Amtskellerei versuchten,
ergriffen andere Dahner im wahrsten Wortsinn die günstige Gelegenheit: Sie
nahmen Hanitz fest und schafften ihn vor das Gericht in Weißenburg. Dass die
Chancen des Hochstiftes auf Anerkennung der Hanitz'schen Fälschungen zu seinen
Gunsten bei dem nunmehrigen Prozess nicht sonderlich gut waren, versteht sich.
- Freiheitsbaum,
Nationalgarde und ein Friedensgericht waren auch in Dahn die äußeren Zeichen
des Umschwungs der Verhältnisse, welcher im südwestdeutschen Gebiet links des
Rheines die Herrschaft der Territorialherren de facto bereits beendet hatte.
Noch hielten die großen deutschen Mächte still, wartete die Entwicklung in
Paris und Frankreich ab. Im Herbst 1791 gewannen die Dahner vor dem
Weißenburger Tribunal ihren Prozess. Dem Hochstift, dessen Einfluss ja bereits
ausgeschaltet war, wurden die strittigen Waldungen entzogen und die
Gerichtskosten aufgebürdet. Durch die nachfolgenden Urteilsbestätigungen und
Vermessungen des 19. Jahrhunderts kam die Gemeinde Dahn schließlich zu ihrem im
wesentlichen heute noch bestehenden Waldbesitz.
- Vorerst begann
für den Ort und seine Bewohner jedoch eine erneute lange Kriegs- und
Leidenszeit: Nachdem Frankreich, dessen innenpolitische Verhältnisse sich immer
mehr radikalisierten, im April 1792 dem Deutschen Reich, in Sonderheit
Österreich und Preußen, den Krieg erklärt hatte, wurde die Südpfalz wieder
einmal Aufmarsch- und Kampfgebiet. Rücksichtslose Kontributionen und
Plünderungen begleiteten das wechselnde Kampfgeschehen. Die Dahner Kirche,
deren Pfarrer und Kaplan 1792 geflohen waren , wurde Militärspital. Nachdem vom
Herbst 1794 an das ganze Linksrheinische wieder in die Hände der
Revolutionsarmeen gekommen war, schied zuerst Preußen durch den 1795
geschlossenen Sonderfrieden von Basel aus der antirevolutionären Koalition aus,
um im Osten, in Polen, freie Hand zu bekommen. Seine sowieso schon besetzten
linksrheinischen Gebiete am Niederrhein sprach es unter der Forderung nach
späterer Entschädigung im rechtsrheinischen Gebiet in geheimer Vereinbarung
Frankreich zu. Als der erfolgreiche Italienfeldzug des General Bonaparte
Österreich 1797 zum Frieden von Campo Formio gezwungen hatte, verzichtete
Habsburg in geheimer Vereinbarung unter anderem ebenfalls auf seine bisherigen
linksrheinischen Besitzungen: von der schweizerischen Grenze bis zu Mündung der
Nette bei Andernach sollten sie an Frankreich fallen, die kaiserlichen Truppen
hatten dieses Gebiet zu räumen. Nach weiteren französischen Siegen im Krieg
gegen die zweite Koalitionsfront machte der Friede von Lunéville im Jahr 1801
öffentlich, was Preußen und Österreich für sich in Geheimklauseln längst
bestätigt hatten und was zwar nicht de iure, aber den tatsächlichen
Machtverhältnissen nach, seit 1794 für alle Gebiete des in den letzten Zügen
liegenden Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation links des Rheines galt:
sie gehörten nun zum französischen Staatsverband.
- Das Amt Dahn fiel
dem in der Revolution als neue Verwaltungseinheit gebildeten Department du
Bas-Rhin mit seinem Hauptort Straßburg zu. Dem Arrondissement Weißenburg
unterstellt, wurde Dahn selbst in Weiterführung seiner Stellung in der
überwundenen Feudalzeit zum Kantonshauptort gemacht. Land und Leute teilten
jetzt das Schicksal Frankreichs, das sich von der Republik zum Kaiserreich
Napoleons wandelte, welches den ganzen europäischen Kontinent beherrschte. Mit
dem Jahr 1812 begann in Russlands Weiten dann ein Abstieg, der ebenso blutig wie
der vorhergegangene Aufstieg war. Daneben darf jedoch nicht verschwiegen werden,
dass Revolution und Kaiserreich auch Code Civil und Code Napoleon
hervorbrachten; Gesetzeswerke, die erstmals Rechtssicherheit im heutigen Sinn
schufen.
- Die Rücknahme
vieler revolutionärer Maßnahmen durch Napoleon Bonaparte machte es auch
möglich, im Jahr 1803 die seit 1792 verwaitse Dahner Pfarrei wieder zu besetzen.
Im ganzen Kanton Dahn wurden zu dieser Zeit über 4300 Katholiken gezählt,
davon 706 in Dahn selbst. Die Zahl der Andersgläubigen ist nicht bekannt. In
Dahn wohnten damals neun Familien jüdischen Glaubens.
- Mit dem Ersten
Pariser Frieden von 1814 unterstand der österreichisch-bayrischen
Administrationsverwaltung in Kreuznach die heutige Pfalz nur bis zur Queich.
Eine Ausnahme bildete überdies die Festung Landau. Der Zweite Friede von Paris,
geschlossen nach dem bei Waterloo endenden Zwischenspiel der "Hundert
Tage" währenden, zweiten Herrschaft Napoleons, legte die Grenze zum Elsass
dann schon im wesentlichen auf die heute glücklicherweise immer mehr
symbolische Linie.
- Seit dem 1. Mai
1816 gehörte die Pfalz und damit auch Dahn, das Kantonshauptort blieb, zum
Königreich Bayern. Wurde der Kanton oder Bezirk als regionale
Verwaltungseinheit ab 1928 dem Bezirk Pirmasens zugeschlagen, so wurde das
Dahner Amtsgericht, der Nachfolger des alten Herrschaftsgerichtes, des
französischen Friedensgerichtes und des Landgerichtes der bayrischen
Anfangszeit, erst mit dem Jahr 1967 aufgehoben. Das 1817 eingerichtete
königliche Rentamt überlebte als Finanzamt noch ein Jahr länger, ehe die
Verwaltungsreform auch seine Türen schloss. Der Kantonsarzt war unter anderem
für die seit 1816 auch in der Pfalz verbindlichen bayrischen Schutzimpfungen
gegen Pocken zuständig. Der Aufsicht über die Landschulen, deren vorher nur
von lokalem Willen, Personal und Finanzmittel bestimmte Existenz mit dem Greifen
der französischen und bayrischen Verwaltung institutionalisiert worden war, lag
beim Dahner Ortspfarrer und gleichzeitigem Kantonspfarrer. Im Jahr 1828 öffnete
in Dahn die erste Apotheke. Auch die Einnehmerei, das aus französischer Zeit
stammende Institut zum Einzug kommunaler Abgaben, hatte seinen Sitz in Dahn.
Forstamt und Gendarmeriestation haben sich, in zeitgemäß angepasster Form, bis
heute erhalten.
-
Im Jahr 1830 lebten 294 Familien in Dahn, von denen 197 ihr Auskommen als Bauern
und Tagelöhner suchten. 79 Familienoberhäupter trieben ein Gewerbe, 18 waren
Beamte. Die Zahl von 215 Hausbesitzern belegt, wie entschlossen die
Bevölkerung die endlich wieder dauerhaften Friedensjahre nutzten. Das Hambacher
Fest von 1832 zeigte jedoch, dass unter der Oberfläche des Deutschen Bundes und
in seinen Gliedstaaten manches noch oder schon wieder gärte.
- Die alten Dahner
Marktrechte wurden erweitert, und die neben den Jahr- und Fruchtmärkten
schließlich fünf jährlichen Dahner Viehmärkte des 19. Jahrhunderts brachten
Handel und Wandel in den Ort. Der Martini-Markt führt diese Traditionen bis
heute weiter. Die revolutionären Unruhen der Jahre 1848/49, von vielerlei
Ursachen entfacht und ausgelöst, führten auch in Dahn zur Gründung einer
Bürgerwehrkompanie. Mit dem schnellen Vormarsch der Preußen, die 1849 in der
bayrischen Pfalz die Aufstandsversuche niederschlugen, im Queichtal bei Rinnthal
eine Sperre der sich nach Baden zurückziehenden Freischärler durchbrachen,
fiel auch Dahn wieder in die dumpfe Ruhe zurück, die für das damalige
politische Klima bezeichnend war.
- Wirtschaftlich
ging es dagegen weiter aufwärts. Im Jahr 1861 wurde eine landwirtschaftliche
Fortbildungsschule eingerichtet, deren Ziele, die Hebung des allgemeinen und
fachlichen Wissens, in der heutigen Zeit von Berufsschulen und Volkshochschulen
weitergeführt werden. Auch der Umstand, dass sich Dahn im Jahr 1862 eine
öffentliche Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen leisten konnte, ist nicht
das unwichtigste Indiz für einen langsam, aber sicher wachsenden
Lebensstandard. Neben der katholischen Pfarrei Dahn wurde im Jahr 1864 für die
bislang nach Hinterweidenthal eingepfarrten evangelischen Einwohner eine eigene
Pfarrei errichtet. Zwanzig Jahre später war auch sie im Besitz eines
stattlichen Gotteshauses.
- Der deutsche Krieg
von 1866 und auch der deutsch-französische Krieg von 1870/71 zogen Dahn nicht
unmittelbar in Mitleidenschaft. Die siegreichen Grenzschlachten von Weißenburg
und Wörth trugen die für den Betroffenen überall gleich schreckliche
Kriegsnot diesmal gleich über die Grenzen des Elsass und Frankreichs. Die 1871
gepflanzte Siegeslinde, von späteren Generationen aus nur allzu guten Gründen
heraus als Friedenslinde bezeichnet, fiel 1967 einem Sturm zum Opfer. Ihr
Nachfolgerbaum wurzelt an gleicher Stelle.
- Die Jahre der
Gründung des Deutschen Reiches von 1871 sahen eine weitere Aufwärtsentwicklung
in Handel und Gewerbe. Die Region mit ihren Kleinbauern und Waldarbeitern war
wirtschaftlich zum Glück aber zu unattraktiv, als dass die sogenannten
"Gründerjahre" hier die Seifenblasen ebenso unkontrollierbarer wie
unsolider Spekulationsgeschäfte hätten aufquellen lassen. Der von Pirmasens
ausgehende Boom der Schuhindustrie war dagegen keine Spekulation, sondern bis
in die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg ein solider, wenn auch mit allen
Mängeln und Risiken der industriellen Monostruktur behafteter Erwerbszweig. In
Dahn schlug sich die nationale und internationale Nachfrage nach industriell
gefertigtem Schuhwerk im Jahr 1898 mit der Errichtung einer ersten Schuhfabrik
nieder.