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Das Alte E-Werk

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Der Jugendstil hat in der Dahner Architektur keine bleibenden Spuren hinterlassen, einzig das 1908  erbaute Elektrizitätswerk legt Zeugnis ab von dieser verspielten Ausdrucksform, die der damalige Souverän Kaiser Wilhelm II so verachtete. 1991 ließ die Stadt das Gebäude sanierten und wandelte es unter Beachtung der denkmalpflegerischen Belange zu einem „Haus der Vereine“ um, das heute den Namen „Alte E-Werk“ trägt.
Unter Abwägung aller Vor- und Nachteile beschloss der Gemeinderat 1908 den Bau eines gemeindeeigenen Elektrizitätswerkes, das auf dem Platz hinter dem Schulhaus errichtet werden sollte. Diese Maßnahme war nötig geworden, nachdem die Schuhfabrik Keller, die bis dahin die Gemeinde mit Strom, belieferte, Konkurs hatte anmelden müssen. Die Frage, ob die Gemeinde die Kellersche Anlage übernehmen oder eine neue bauen sollte, wurde durch den Zustand des vorhandenen E-Werks von ganz alleine beantwortet.
Die Gemeinde beauftragte den Architekten Karl Barth mit dem Bau des Gebäudes und des notwendigen 30 Meter hohen Schornsteins. Ergänzt werden sollte die Anlage durch einen separaten Kohleschuppen und einen hölzernen Kühlturm. Die Gesamtkosten für die Anlage, für deren Bau ausschließlich Dahner Firmen beauftragt wurden, beliefen sich auf 65.000 Mark.
Zwei Drittel des Gebäudes beanspruchte der Maschinenraum, in dem eine 43 PS starke „Patent-Heißdampf-Compaund-Lokomotive“ der Mannheimer Firma Lanz untergebracht wurde. Platz fanden außerdem die Stromerzeugungsanlage der Rheinischen Sienmens-Schuckertwerke. Und die Kühlanlage, die bei der Firma Zschocke in Kaiserslautern in Auftrag gegeben wurde. Zum Werkleiter des neuen E-Werks bestellte der Gemeinderat Peter Reiland, der bis dahin als Obermonteur beim städtischen E-Werk Homburg tätig gewesen war.
Die Stromproduktion begann am 5. Februar 1910, ungeachtet der Tatsache, dass im Gebäudeinneren noch Ausschachtungs- und Maurerarbeiten im Gange waren und der Fußboden noch fehlte. 
Nach Inbetriebnahme des neuen Bauwerkes mussten 44 Straßenlampen erneuert und zahlreiche Hausanschlüsse den neusten Sicherheitsvorschriften angepasst werden. Zu dieser Zeit musste die benötigte Kohle noch mit Pferdefuhrwerken in Hinterweidenthal am Bahnhof Horbach abgeholt werden. Die Wieslauterstrecke war zwar im Bau, wurde aber erst ein Jahr später fertig gestellt.
Bereits 1910 waren 77 Haushalte an das Stromnetz angeschlossen. Den höchsten Stromverbrauch hatte laut dem Dahner Chronisten Karl Kissel, der die Geschichte des E-Werkes zusammengetragen hat, der Hotelier Ludwig Kees mit 77 Kilowatt-Stunden im Monat. Die katholische Kirche verbrauchte 25 Kilowatt und die Synagoge 1,16 Kilowatt. Die protestantische Kirche und sämtliche Behörden wie das Forstamt, das Amtsgericht und das Gefängnis hatten zu dieser Zeit noch keinen elektrischen Strom. Das änderte sich aber schon ein Jahr später.
Nachdem bereits Mitte der 20er Jahre der Stromverbrauch in Dahn ein Ausmaß angenommen hatte, dem das alte E-Werk nicht mehr gerecht werden konnte, schloss die Gemeinde 1927 mit den Pfalzwerken einen Stromlieferungsvertrag.  Noch im gleichen Jahr begann man Schornstein, Kühlturm und Kohleschuppen abzubrechen. 1928 erhielten die Pfalzwerke von der Gemeinde eine Stromverbrauchsgarantie, der Strompreis wurde an den jeweiligen Kohlepreis gekoppelt. 

© LiloHagen

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