Der Heimbach

Der kleine Heimbach, der durch den Dahner Kurpark plätschert, bescherte den beiden Schülerinnen des Otfried-von-Weißenburg-Gymnasiums, Nicola Burger und Andrea Schantz, im Jahr 2001 den 2. Preis im Bereich „Biologie“ bei Jugend forscht auf Regionalebene. Außerdem wurden die Arbeit der beiden mit dem Sonderpreis in der Kategorie „Umwelt“ ausgezeichnet.

Angefangen habe alles mit dem Besuch von Bekannten, die mit ihren Kindern zum Wandern in den Pfälzerwald gekommen seien, erzählt die fünfzehnjährige  Nicola Burger. „Die waren ziemlich verwundert über den Zustand des Heimbachs, der mitten durch Dahn und damit mitten durchs Biosphärenreservat Pfälzerwald fließt“, sagt sie. Auf die Frage, wie es komme, dass der Bach in einem so schlechten Zustand sei, habe keiner eine Antwort gewusst, erinnert sich Nicola. „Unsere Bekannten erzählten ziemlich anschaulich, wie dreckig und stinkend sich der Bereich um den Bach darbot, der für sie nur noch nach einem Rinnsal aussah“, sagt Nicola. „Als sie dann auch noch fragten, ob wir schon von der Schule initiierte Untersuchungen gemacht hätten, nachdem die Schule doch ganz in der Nähe läge, kam ich ziemlich ins Stottern“, erzählt sie.   

Die Kritik war auf fruchtbaren Boden gefallen. Der Gedanke an den Bach ließ Nicola nicht mehr los, sie infizierte ihre ein Jahr ältere Freundin Andrea Schantz und gemeinsam wälzten sie das Problem, wie man den Zustand des Baches verändern könne.

Den beiden Mädchen gelang es, ihren Biologie- und Chemielehrer Michael Lied zu begeistern, der sich mit ihnen den Bach dann aus der Nähe betrachtete. Lied war sofort dafür, den Bach chemisch als auch biologisch zu untersuchen. „Schon nach der ersten Begutachtung waren wir sicher, dass der Bach eine Renaturierung bitter nötig hat“, erzählt Nicola.

Sie beschlossen, die dafür Zuständigen der Stadt über den miserablen Zustand des Heimbachs zu informieren. „Vorher wollten wir allerdings den Bach untersuchen, um die Ursachen für sein Verkümmern zu finden“, so die beiden Mädchen. Anfangs war ihr Mitschüler Fabian Schütz noch mit von der Partie, der das Projekt dann aber aus zeitlichen Gründen verlassen musste.

Zunächst sammelten die Schüler lediglich Vorschläge zur „Renaturierung“ des Heinbachs und setzten sich mit der Verbandsgemeinde, die für dieses Gewässer 3. Ordnung zuständig ist, in Verbindung, um ihre Verbesserungsvorschläge bekannt zu machen. Dabei hatten die Schüler auch die Idee, eine Art „Patenschaft“ für diesen Bach zu übernehmen. Unterstützung fanden sie bei Tim Gutensohn von der Verbandsgemeinde, der ihnen Luftbildaufnahmen des Baches zur Verfügung stellte. „Auf weitere Hilfe, die uns von der Verwaltung angeboten worden war, konnten wir aus Zeitgründen nicht mehr zurückgreifen“, erklärt Lied.

 Inzwischen war den Mädchen die Idee gekommen, sich mit ihrer Idee am Wettbewerb „Jugend forscht/Schüler experimentieren“ zu beteiligen. Dafür stellten sie ihr Projekt unter die Überschrift: „Der Heimbach – Gewässergütebestimmung, Strukturanalyse und Renaturierungsvorschläge“.

Das „Jugend forscht Duo“ Andrea und Nicola sei der Rest einer ursprünglich aus acht Schülern bestehenden Biologie AG, erzählt Lied. „Irgendwann waren es nur noch vier Schüler, es wurde dann eine Chemie AG, am Ende blieben nur Nicola und Andrea übrig“, so der Pädagoge. „Das war wie bei den 10 kleinen Negerlein“, lacht Nicola.

„Es hat auf jeden Fall großen Spaß gemacht“, erklären die beiden Schülerinnen wie aus einem Munde. Beide wollen nun gemeinsam mit ihrem Lehrer ihre Forschungsergebnisse Verbandsbürgermeister Wolfgang Bambey übergeben, in der Hoffnung, dass er sich für eine Renaturierung des Heimbaches stark macht. 

Die Arbeit: Der durch den Dahner Kurpark fließende Heimbach dürfe nicht länger als Kanalüberlauf benutzt werden, auch müssten die Wassereinleitungen in den Bach abgestellt werden, so das Ergebnis der Studie der beiden Jungforscherinnen Nicola Burger und Andrea Schantz. Zusätzlich müsste der Wasserzulauf in den Bach besser reguliert werden, was durch eine Tieferlegung des Einleitungsrohres vom Teich erreicht werden könne. Eine Stellschraube am Wassereinlauf würde eine Austrocknung des Baches im Sommer verhindern und um die Phosphat-Belastung durch Entenkot zu verringern, sollte das Füttern der Vögel verboten werden, so die Schlüsse, die Nicola und Andrea nach ihren Untersuchungen des Heimbachs gezogen haben. Das Hauptproblem sei nach wie vor das unnatürliche Bachbett, das durch Entfernen der Steine im Bett selbst und an den Ufern renaturiert werden könne. „Dies würde das Landschaftsbild wesentlich verschönern als auch den Lebensraum der im Bach lebenden Tiere verbessern“, sagen sie und schlagen vor, die Natur durch Anpflanzungen zu unterstützen, damit sich der Schmutz des Wassers in der Uferbepflanzung absetzen kann. Durch den Einbau von Kurven würde sich nicht nur das Bild des Baches verbessern, sondern auch seine Struktur bereichert. Mit dem Einbau kleiner Wasserfälle könne der Sauerstoffgehalt des Wassers erhöht werden. Die beiden Mädchen bedauern, dass man an den großen Rohren, die das Wasser unter Brücken, einer Hofeinfahrt und der B427 hindurchführen nichts ändern könne. „Doch man kann dafür sorgen, dass die Enten ihren Weg zurück in den Teich finden“, sagen sie. „Wie wir beobachtet haben, kamen kleine Entenkinder wegen der steil ansteigenden Staumauer kaum zurück in den Teich“, erzählen sie. 

Bis die beiden zu den Ergebnissen kamen, die sie ihre lange Liste von Renaturierungsvorschlägen zusammen stellen ließen,  war es ein langer Weg.

„Früher überließ man es den Flüssen und Bächen selbst, sich ihren Weg zu bahnen. Doch schon bald mussten sie neuen Häusern und Straßen weichen. So wurden sie oft in kerzengerade Betonrinnen gezwängt. Diese Rinnen sollten Ablagerungen und Ansammlungen des vom Wasser mitgeführten Materials in strömungsberuhigten Bereichen verhindern. Auch beim Heimbach wurde der Boden und die Ufer mit Steinen bepflastert, wahrscheinlich um eine Erosion zu vermeiden. Dabei hatte diese Maßnahme weit mehr negative Folgen als positive. Die Stein- und Betonwände bieten den Tieren, die sich gerne im Sand verkriechen, dort ihre Nahrung suchen und ihre Eier ablegen, keinen guten Lebensraum mehr. Zwischen den Steinen wachsen kaum Pflanzen, der Nahrungsmangel lässt die Tiere, die wichtig für die Lebensgemeinschaft im Wasser sind, weiter ziehen. Diese Lebensgemeinschaften sind umso artenreicher, je vielfältiger die Strömungs- und Substanzunterschiede sich gestalten.

Bei naturnahen Gewässern wechselt die Strömungsstärke öfters, dadurch können sich verschiedenen Nährböden bilden, auch wechselnde Wassertiefe und Gewässerbreite tragen zur Strukturvielfalt der Gewässer bei“, so die Forscherinnen zur Bedeutung der Gewässerstruktur im Allgemeinen.  

Alles, was für eine gesunde Gewässerstruktur wichtig ist, entfällt beim Heimbach zum größten Teil durch die Bepflasterung des Uferbettes. „Es gibt keine Stillwasserbereiche, der Bach fließt zu schnell, läuft durch Verrohrungen unter Brücken und einer Hofeinfahrt hindurch“, schildern Nicola und Andrea ihre Erkenntnisse. Erst auf der anderen Seite der B427 finden die Forscherinnen eine naturnahe Bachstruktur, die Bachsohle ist nicht gepflastert, sie finden erstmals Sandboden. Zudem ist das Bachbett nicht ganz gerade und etwas breiter als im Kurpark. Es gibt auch keine Uferbefestigungen, die die Pflanzen am natürlichen Wachstum hindern. 

Innerhalb von 10 Minuten sammelten die beiden mit einem Haushaltssieb an verschiedenen Stellen kleine, im Heimbach lebende, Tiere ein, die bestimmt und gezählt werden mussten. Jeder Tierart ist ein sogenannter Saprobienwert und ein Indikatorgewicht zugeordnet, mit deren Hilfe man die Gewässergüte errechnen kann. 

Im Kurpark fanden Andrea und Nicola  die Spitze Blasenschnecke (Physa acuta) und den Rollegel (Erpobdella octulata) in ungewöhnlich großer Zahl, was auf die schlechte Wasserqualität hinweist. Güteklasse III – stark verschmutzt – ist das Wasser des Heimbachs nach den vorliegenden Untersuchung der beiden. Im Bereich des SBK verfügt der Heimbach über eine weit größere Artenvielfalt kleiner Tiere und ist nur noch kritisch belastet, Güteklasse II.  Unter anderem fanden die Mädchen auf der dem Kurpark gegenüberliegenden Seite der B 427 Köcherfliegenlarven, Steinfliegenlarven, Eintagsfliegenlarven und den Gemeinen Flohkrebs, alle weisen auf eine bessere Wasserqualität hin. 

„Wir fanden heraus, dass die Gewässerstruktur des Heimbachs im oberen Teil des Baches sehr naturfern und damit ein ungeeigneter Lebensraum für Tiere ist. Weiter unten wird die Struktur des Baches aber immer besser, was dazu führt, dass dort mehr Tiere leben können“, heißt es in der Studie. 

Ursache für die schlechte Gewässergüte sei aber nicht hauptsächlich das gepflasterte Flussbett und die Verrohrung des Baches, so Nicola und Andrea. Sie fanden heraus, dass der Bach bei starkem Regen als Überlauf des Schmutzwasserkanals dient. Des Weiteren entdeckten sie Rohre, die darauf schließen lassen, dass noch immer Abwässer in den Heimbach geleitet werden. „Auch die schlechte Regulation des Wasserzulaufes ist mit Sicherheit eine Ursache für den schlechten Zustand des Wassers. Der unregelmäßige Wasserzulauf lässt sich damit begründen, dass das Einflussrohr, das das Wasser vom Teich in den Bach leitet an der Oberfläche des Teiches liegt. Dies bedeutet, dass bei geringem Wasserstand des Teiches kein Wasser in den Bach fließen kann. Dies führt dann wiederum zu einem Austrocknen des Baches“, erklären sie. Das Wasser sei zudem nicht sauerstoffgesättigt, was wieder schlecht für die dort lebenden Tiere sei.

Für intensive chemische Untersuchungen fehlte den Beiden die Zeit, dennoch fanden sie heraus, dass das Wasser chemisch kaum belastet ist. Jetzt wollen sie ihre bereits begonnenen Untersuchungen in dieser Richtung weiter ausbauen und die Ergebnisse neu auswerten. Sofern sie bis zum Schuljahresende noch Zeit finden, wollen sie auch den See und die Wieslauter untersuchen, eventuell sogar die Quelle und das Stück des Baches, das den Teich mit der Quelle verbindet. 

„Unser Hauptziel ist aber, wenigstens der Gemeinde zu signalisieren, dass der Heimbach dringend einige Veränderungen braucht, zumal er für einen Kurort wirklich kein schönes Bild darstellt“, schreiben sie.

Verbandsbürgermeister Wolfgang Bambey zeichnete die beiden jungen Damen für ihre Arbeit aus und versprach, sich den Problemen des Heimbachs anzunehmen.

dahnilo