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| Als „Prophet wider den Zeitgeist“ bezeichnet Professor Helmut Witetschek den einfühlsamen Seelsorger, charismatischen Jugendapostel und beliebten Kapuzinerpater Ingbert Naab. Dieser wohl bedeutendste Sohn der kleinen Stadt Dahn wurde gegen Ende der Weimarer Republik zu einem der eindringlichsten Warner gegen ein menschenverachtendes Unrechtsregime, dem Millionen Menschen zum Opfer fallen sollten. |
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| Naab wurde 1885 in Dahn, das damals 1500 Einwohner zählte, als Karl Borromäus
geboren. Er kam aus einem kleinbürgerlichen, aber sehr frommen Elternhaus, wo
der Vater dem Bildungshunger des hochintelligenten Knaben machtlos gegenüberstand.
Die Mutter förderte den Sohn, fand dabei Unterstützung bei dem Lehrer Eugen
Antoni, dem Gründer des Katholischen Lehrervereins, und bei einem Onkel der
Familie, der Direktor im Konvikt zu Speyer war. Bereits in der sechsten Klasse zeigte sich eine ungewöhnliche Rednergabe bei dem sonst eher schüchtern wirkenden Bub. Als Student argumentierte er klar und scharf, wurde dabei aber nie persönlich verletzend oder unbeherrscht. |
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| Naab war nicht streitsüchtig,
aber er konnte diskutieren und streiten um der Sache willen. Anfänglich spielte
er besonders in glaubensschweren Stunden immer wieder mit dem Gedanken,
sozialistischer Zeitungsredakteur oder Politiker zu werden, doch seine innige
Gottverbundenheit ließ ihn das Priesteramt wählen. Naabs Erkenntnisse wirken weit über seine Zeit hinaus und sind heute wieder aktueller denn je. „An unserer Jugend verzweifeln und sie als unverbesserlich gelten zu lassen, das heißt einen Frevel gegenüber der Gnade Christi begehen“, schreibt er bereits 1913. Von seinem freien Denken und seiner charismatischen Ausstrahlung zeugt auch, dass sich bereits in diesen Jahren, als seine Hauptsorge im saarländischen St. Ingbert den Fabrik- und Bergwerksarbeitern galt, immer mehr protestantische Schüler vertrauensvoll an ihn wandten. In einer Zeit, als die beiden großen Kirchen durch unüberwindbare Gräben absolut getrennt waren. |
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| Mit seinen Publikationen stieß Naab bei einer immer größer werdenden
Leserschaft auf Interesse. 1913 veröffentlichte er seine Jugendpredigten und
Jugendansprachen, 1914 publizierte er in einer 400 Seiten umfassenden Arbeit
seine Erfahrungen mit den Schülern der höheren Schulen. In seiner Zeitschrift „Der Weg“, einer Monatsschrift für die oberen Klassen der höheren Lehranstalten, setzte er den Ideen des liberalen Lehrerschaft die katholischen Grundsätze entgegen und wehrte sich gegen das staatliche Schulmonopol. Schule müsse mehr bieten, als Kindern Rechnen und Lesen beibringen. Sie müsse an den Kinderseelen rühren, so Naab. 1928 gründete er die Zeitung „das neue Leben“ für studierende Mädchen. Der streitbare Kapuzinerpater erkannte früh die Gefahren, die das nationalsozialistische Gedankengut in sich barg und wehrte sich vehement dagegen. In einem offenen Brief stellte er im März 1932 die Frage: „Herr Hitler, wer hat Sie gewählt?“ Ein Jahr später musste er vor den Nationalsozialisten in die Schweiz fliehen. Bevor sie seiner habhaft werden konnten, starb er am 28. März 1935 in Straßburg. Wer mehr über diesen mutigen Mann erfahren möchte, dem sei das Buch von Helmut Witetschek „Pater Ingbert Naab“ erschienen bei Schnell & Steiner, empfohlen. |
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Damit es nicht vergessen wird Angesichts der Tatsache, dass ein Gedankengut, das die Welt vor nunmehr 60 Jahren vernichtet glaubte, wieder zunehmend salonfähig wird, ist es an der Zeit, sich des Paters Ingbert Naab, dem wohl bedeutendsten Sohnes der Stadt Dahn, und seinem Kampf gegen den Nationalsozialismus zu erinnern.
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Die Stadt Dahn hat ihrem wohl größten Sohn eine eigene Homepage eingerichtet.