
Das
Pater-Ingbert-Naab-Haus
Geschichte eines Hauses, das 1822 als Gerichtsgebäude erbaut wurde und Mitte der 70er Jahre fast der Abrissbirne zum Opfer gefallen wäre.
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2004 |
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| Am 27. November 1972 beschloss der Stadtrat mit einer einzigen Gegenstimme das Gelände in der Schulstraße mit dem Haus Nummer 19 der jungen Verbandsgemeinde kostenlos als Baugelände für das neue Verwaltungsgebäude zur Verfügung zu stellen, was den Abriss des Hauses bedeutet hätte. „In dieser sehr erregt geführten Stadtratsdebatte setzten sich die vorherrschenden Meinungen durch, dass der ‚Grindkopp’ mit dieser Lösung beseitigt sei, dass auf diese Weise eine (angebliche) Ratteninvasion ‚bekämpft’ würde. In einer späteren Stadtratsitzung änderten die Stadtväter allerdings ihre Meinung insoweit ab, als der Abriss nur dann erfolgen sollte, wenn die Verbandsgemeinde das Gelände in Anspruch nehmen würde, andernfalls sollten zusätzliche Klassenzimmer für die Volksschule gewonnen werden, aber nur dann, wenn dieser Ausbau finanziell für die Gemeinde tragbar wäre“, schreibt Studiendirektor Walter Bohn. | ||
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1937 |
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Doch das Haus überlebte und war in den vergangenen Jahren ein Schmuckstück der Stadt. Daran war OstR i.K. Paul Kuhn nicht unbeteiligt.Dazu Kuhn: „Im Spätherbst 1973 häuften sich im sogenannten Leitungsteam der Pfarrjugend die Klagen über die Raumnot bei den Gruppenstunden. Gabi Naab machte auf Anregung ihres Vaters den Vorschlag, die Stadt um das Haus Schulstraße 19 anzugehen. Niemand von uns wusste, dass der Stadtrat so gut wie beschlossen hatte, das Gebäude abreißen zu lassen. Mein erster Weg aber führte zu Herrn Franz Eisel, der bei unseren Zeltlagern für alle technisch-praktischen Dinge die beste Stütze war. Auf die Sache Jugendhaus angesprochen, erklärte er spontan: ‚Ich bin dabei!’ Was dieses Wort wert war, ahnte ich selbst noch nicht. Von Anfang bis heute hat Herr Eisel uns in Wort und Tat unentgeltlich geholfen und viel Zeit, Kraft und Nerven in das Jugendhaus investiert. Niemand hat soviel getan wie er, niemand hat sich so um das Jugendhaus verdient gemacht wie Franz Eisel!“ Der Bürgermeister tat sich mit meinem überfallartigen Vorschlag, das Haus Schulstraße 19 zum Jugendhaus zu machen, sichtlich schwer, als ich voller Begeisterung seine sichtlichen Bedenken zu zerstreuen suchte. Schließlich gab er grünes Licht. Allerdings waren ihm die Hände gebunden: eine endgültige Entscheidung sei noch zu treffen und wir mussten uns verpflichten, bei einem Nein des Stadtrates aufzugeben. Wir machten uns sogleich an die Arbeit, und im Januar 1974 waren die ersten Räume bezugsfertig. Ende Januar luden wir die Herren des Stadtrates zu einer Besichtigung ein, denn die entscheidende Sitzung stand bevor, ein Vertrag sollte genehmigt und das Projekt Jugendhaus endgültig auf eine sichere Grundlage gestellt werden. Stolz verließen wir die Ratssitzung. Einstimmig hatten die Herren den Vertrag genehmigt. In dem Vertrag hieß es: „Die Stadt Dahn überlässt ihr gesamtes zur Zeit leerstehendes Wohngebäude, Schulstraße 19 zur ausschließlichen Benützung als Jugendhaus. Das Gebäude darf nur für Zwecke der Jugend .... verwendet werden. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung ist von dem Leiter eine Hausordnung zu aufzustellen, die die Benützung durch die einzelnen Jugendgruppen regelt. Dabei ist sicherzustellen, dass auch Jugendgruppen von in Dahn bestehenden Vereinen ohne Rücksicht auf die Konfessionszugehörigkeit ihrer Mitglieder bestimmte Räume des Jugendhauses unentgeltlich mitbenutzen dürfen. Das gleiche gilt auch für Jugendgruppen der protestantischen Gemeinde Dahn. Die äußere Instandhaltung des Gebäudes ist Sache der Stadt Dahn.’ Geld hatte wir so gut wie keines. Zwar war die katholische Kirchenstiftung aus rechtlichen Gründen der Vertragspartner, aber mit Blick auf ein neu zu errichtendes Pfarrzentrum hatte mir Pfarrer J. Layes grünes Licht gegeben, gleichzeitig aber gesagt, dass sich die Pfarrei finanziell nicht beteiligen könne. Alles selbst machen, Material möglichst kostenlos oder wenigstens so billig wie möglich, hieß die Parole. Ratschläge, Auskünfte und Meinungen von Fachleuten einholen, fachkundige Helfer finden, die Arbeiten koordinieren und die Jugendarbeit aufrechterhalten – es waren aufreibende Zeiten.“ |
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1942 |
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| Kuhns Dank ging damals besonders an die Dahner Bevölkerung. „Überall fanden wir Verständnis und Hilfsbereitschaft. Was haben wir nicht alles zusammengebettelt. Ofenrohre, Ölöfen, Lampen, Tische, Stühle, Möbelstücke, Autofahrten, Werkzeuge usw. usw. Alle Geschäftsleute, die wir angingen hatten Verständnis (auch bei nicht fristgerechtem Zahlen der Rechnungen) und boten günstige Bedingungen. (Damzcyk, Fink, Breitsch, Naab, Flory, Stoeckel, Burkhart, Prochazka, Keller, Engel, Glaser, Schwarz, Stammler Seidenspinner und andere). Besonders zu bedanken haben wir uns bei Herrn Roland Breiner und seinen Männern... es ist unmöglich, die freiwilligen erwachsenen Helfer alle zu nennen, erwähnt werden müssen aber noch Herr Oswald Ruppert und Herr Emil van Venroy.... Auch die Stadt hatte sich inzwischen mächtig angestrengt: die alten Schuppen hinter dem Haus waren verschwunden, das Gelände bekam langsam Gesicht und die Renovierung verhalf dem heruntergekommenen Haus zu seiner alten Eleganz und Schönheit. In dieser ganzen Zeit war die Zusammenarbeit mit der Stadt hervorragend. Der Bürgermeister hatte immer ein offenes Ohr, und die Arbeiter der Stadt haben nicht nur ihren eigenen Bauschutt abgefahren. Zusätzliche Hilfe bekamen wir durch die Vermittlung von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die uns ein schönes Stück voran brachten. ... Besonders herausheben aber möchte ich die gute Zusammenarbeit mit Drau Dipl.-Ing. Kruskopf bei allen Renovierungsproblemen... Ein wenig Grund haben wir schon stolz zu sein, denn wir waren es, die aus eigener Initiative...neue Möglichkeiten für die Jugendarbeit geschaffen haben. Wir haben geholfen, ein Gebäude zu retten, das heute ein Schmuckstück der Stadt ist.“ | ||
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1950 |
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„Natürlich war das Haus nicht fertig und auch die Unterhaltung eines solchen Gebäudes macht Arbeit. Im wesentlichen waren es die Jugendlichen der KJG, die bis auf den heutigen Tag einigermaßen für Sauberkeit und Ordnung sorgten. Hier hat die Pfarrei vor allem Hermann Koch zu danken. Auch die „Freie Jugend MODOS“ – unter dem Kommando von Roland Eisel – hat mit viel Aufwand und Sachverstand wichtige Arbeiten im Haus geleistet. Viele Aktivitäten und Sitzungen der Pfarrei verlagerten sich mehr und Mehr ins Jugendhaus. Es war nicht immer einfach, Wünsche und Ansprüche der Erwachsenen mit jugendlichen Gewohnheiten zu vereinbaren. Aber ich denke, letztlich haben alle voneinander gelernt und profitiert.“, so Paul Kuhn 1987. Noch in den achtziger Jahren wurde das Jugendhaus zum Anbau des neuerbauten Pfarrheimes, das den Namen des wohl größten Sohnes der Stadt Dahn, Pater Ingbert Naab, erhielt. Einen besseren Namenspatron hätten sich die Jugendlichen für ihr Jugendhaus nicht wünschen können. Inzwischen sind fast 30 Jahre vergangen, doch das Engagement der KJG ist ungebrochen. Die jungen Leute von damals sind erwachsen zum Teil längst selbst Väter und Mütter geworden. Andere junge Menschen sind an ihre Stelle getreten. Vorwenigen Tagen renovierten sie in 72 Stunden ihr „Jugendhaus“, wie der ältere Teil des Ingbert Naab Hauses noch immer heißt. „72 Stunden – ohne Kompromiss“ ist die Sozialaktion des BDKJ im Südwesten Deutschlands, an der sich in diesem Jahr das Dekanat Pirmasens besonders eifrig beteiligte. |
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Lässt sich für ihr Haus noch immer in die
Pflicht nehmen .. die KJG 2004 |
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Ein frisch montiertes Schild über dem Eingang des älteren Teils vom Ingbert Naab-Haus macht deutlich, wo die Jugend von Dahn, katholisch und nichtkatholisch, ihr Zuhause hat. „Miteinander“ ist das Motto, von dem sich die Jugend hier begeistern lässt – und was mit diesem „Miteinander“ bewerkstelligt werden kann, darauf können sie mit Recht stolz sein. „Ziel ist, dass man sich in gemütlicher Runde trifft und ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln kann“, sagt Pastoralreferent Thomas Jäger. Das sei durch die Aktion natürlich ganz besonders gestärkt worden. „Und wir haben nicht nur beim Zeichnen regelrechte Talente entdeckt“, erklärt er. |
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72 Stunden ohne Kompromiss und für das
Ingbert Naab Haus |
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Im Rahmen von „72 Stunden“ hatte die Gruppe den Auftrag erhalten, die Teeküche in ein gemütliches Plätzchen zu verwandeln, eine Dokumentation über die Geschichte des Hauses zu erstellen und diese als dekorative Information im Eingangsbereich zu installieren. Weiterhin sollten die Wände mit eigenen Kunstwerken verschönert werden und nebenbei galt es auch noch, sich um Kleinigkeiten wie „das Anbringen von neuen Kleiderhaken“ zu kümmern oder ein „Benimm-ABC“ mit einer Nutzerordnung für die neue Teeküche zu erstellen. Unterstützung fanden die jungen Leute bei Roland Eisel, der ihnen mit Rat und Tat zur Seite stand. „Im Eisel seim Heisel brauch ner Hammer und Meisel“, lautete denn auch der kleine Scherz am Rande. Auch die Dahner Geschäftswelt unterstützte die jungen Menschen trotz Konjunkturflaute tatkräftig. „Alles, was jetzt noch fehlt ist ein Schaukasten für die Straße“, sagen die jungen Leute. Besonders glücklich sind sie über den neuen Herd, den sie für ihre Teeküche organisieren konnten. „Übers Radio“, lachen sie fröhlich, denn das Herzstück ihrer Arbeit ist die Küche, die in jedem „Schöner Wohnen“ unter dem Motto „Aus Alt mach Neu“ ein perfektes Beispiel abgeben würde. Besondere Mühe haben sie sich mit der Dokumentation des Hauses gegeben. Die alten Fotos, die jetzt den Eingangsbereich zieren, stammen von Theo Zwick. Liebevoll wurden sie gerahmt und beschriftet. |
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| 1822 wurde das Haus durch den aus Weißenburg stammenden Baumeister Josef Trillsbach als „Gericht und Gefängnis“ für 5085 Gulden und 33 Kreuzer neu erbaut. Die alte Türe des Kerkers, rechts vom Flur, ist noch vorhanden. Doch hinter ihr befindet sich heute ein gemütlicher Aufenthaltsraum auch für größere Gruppen. Links war der Gerichtssaal, im Obergeschoss des Kantonatsgefängnisses hatte der Friedensrichter seine Wohnung. | ||
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Nachdem 1869 ein neues Gefängnis errichtet worden war, funktionierte man das Haus zum Schulhaus um. Die Gemeinde erwarb es 1871 für diesen Zweck. In die Wohnung des Friedensrichters zog der Lehrer. Als 1901 mit der heutigen Kreisgalerie ein neues Schulhaus eingeweiht werden konnte, richteten zwei Jahre später die Franziskanerinnen aus Mallersdorf eine „Kleinkinderschule“ ein. 1933 wurde aus dem ehemaligen Gerichtsgebäude eine Milchsammelstelle mit dazugehöriger Molkerei. Dafür waren verschiedene Umbaumaßnahmen, so der Durchbruch eines Seiteneinganges und der Bau einer Verladerampe notwendig. Die Milchsammelstelle bestand bis 1945, danach diente das Gebäude einzig als Wohnhaus und verfiel innen und außen immer mehr. | |
Die alte Kerkertür ist immer noch "in
Betrieb" - führt heute aber ins Kaminzimmer |
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