Planetenweg Dahner Felsenland
 
Planeten unseres Sonnensystems ins Felsenland gebeamt
Team des Gymnasiums platziert Modelle maßstabsgerecht am Radweg Hinterweidenthal-Bruchweiler - Sonne aus Sandstein, Rest aus Bronze
 
 
 
Der Planetenweg beginnt mit der Sonne am Radweg bei Hinterweidenthal direkt am Bahnübergang.
 
 
 
Am Samstag, 5. Mai, wurde der von Schülern des Otfried-von-Weißenburg-Gymnasiums konzipierte Planetenweg entlang dem Radweg von Hinterweidenthal nach Bruchweiler eröffnet. Damit hat die Arbeitsgemeinschaft „Planetenweg Dahner Felsenland“, die sich im März des vergangenen Jahres  unter Leitung des Mathematik- und Physiklehrers Hennes Flörchinger zusammengefunden hatte, in einem Jahr eine Idee von der Konzeption bis zur Realisation umgesetzt. Eine Leistung, deren zeitlicher Rahmen selbst Profis staunen lässt.
 
Der AG schlossen sich die Schüler Daniel Glaser, Tobias Keller, Dominik Ralser, Heiko Sahm, Jens Theobald, Sven Theobald, Erik
Wadle, Jens-Peter Zwick, Frederic Wiesenbach und Martin Zwick an. Die beiden letzteren sind als Abiturienten inzwischen ausgeschieden, dafür kamen  Michael Burkhart, Eva Frischmann, Tina Schantz, und Juliane Frey neu hinzu. 
Flörchinger, der auch Informatik unterrichtet, ist bis auf drei Jahre Auslandsschuldienst in Genf, seit 1993 Lehrer am OWG. Die Idee für einen Planetenweg im Dahner Felsenland trägt er  bereits seit einer Fortbildung in Sachen Astronomie 1994 mit sich herum. Bestärkt wurde er in seinem Vorhaben, als er 2001 mit einer achten Klasse der "Deutschen Schule Genf"  einen Planetenweg in der Nähe von Luzern durchwanderte. 
Die letzte Überzeugung für ein solches Projekt erhielt er ebenfalls noch in seiner Zeit in Genf,  als der Astronomieclub M51 von Divonne unter der Leitung von Michel Sommer und Adelheid Weingarten einen Planetenweg plante, die bürokratischen Hürden überwanden und den Bau ausführte.
 
Der winzige Merkur befindet sich maßstabsgetreu 81 Meter von der Sonne entfernt.
Nur 1,7 Zentimeter groß, die Venus 152 Meter entfernt.
Biegt man von der B427 in Richtung Neudahner Weiher ein, trifft man hinter dem Bahnübergang an der Kreuzung auf den Saturn mit seinem imposanten Ring.
Unvorstellbares vorstellbar
Die neugegründete AG setzte sich das Ziel, auf einfache, anschauliche und informative Art und Weise das eigentlich Unvorstellbare vorstellbar zu machen. „Die Idee für den Bau eines Planetenweges zu haben ist eine Sache, ein solches Projekt durchzuführen eine andere. Ich wusste, dass ohne die Unterstützung von kommunaler und regionaler Seite ein solches Projekt zum Scheitern verurteilt sein würde“, sagt Flörchinger. Doch auf dem Weg zur Realisierung der Idee kam dem Pädagogen immer wieder auch der Zufall zu Hilfe. Während der Abschlussfeier der Abiturienten 2005 ergab sich für ihn die Möglichkeit zum Gespräch mit Landrat Hans Jörg Duppré, der an diesem Tag als Vater anwesend war. Duppré sicherte seine Unterstützung zu. Flörchinger begann bereits wenige Tage später die Werbetrommel für eine Arbeitsgemeinschaft „Planetenweg Dahner Felsenland“ zu rühren. Die jungen Leute waren von der Idee, im Wieslautertal eine maßstabsgerechte Darstellung des Sonnensystems zu installieren, begeistert. Anfänglich ging man von einem Maßstab von 1:500 Millionen aus, dabei sollte der Weg sollte nach Vorstellung der jungen Experten in Dahn mit der Sonne beginnen und in Hinterweidenthal mit dem Pluto enden.   
Nach genaueren Berechnungen musste diese Idee verworfen  werden. „Weil wir die Planeten nicht zu klein darstellen und auf eine maßstabsgetreue Darstellung nicht verzichten wollten, entschieden wir uns den Weg zu ändern“, so die Jugendlichen. Sie versetzten den Standort der Sonne nach  Hinterweidenthal und bestimmten den Verlauf des Weges im Rahmen einer Projektwoche. In dieser radelten sie den Weg, ausgestattet mit GPS und Karte, immer wieder ab, bis für alle anderen Planeten ein Plätzchen gefunden war.  Das hierbei ein Maßstab von 1: 700 000 000 (Siebenhundertmillionen) herauskam, hat mit den besonders markanten Stellen des Fahrradweges Hinterweidenthal - Dahn - Bruchweiler-Bärenbach zu tun“, so Flörchinger.
Nachdem nun Verlauf und Maßstab des Weges klar waren, mit dem Katasteramt geklärt werden konnte, dass alle Standorte auf öffentlichem Gelände liegen, mussten die jungen Leute die Verantwortlichen der Kommunen von ihrem Projekt überzeugen. Dazu wurde eine Präsentation erstellt, in der die Gruppe ihre Vorstellungen von dem, was da in Sandstein und Bronze entstehen sollte, mit Hilfe von Fotomontagen und Bildern des bereits existierenden Planetenweges von Divonne veranschaulichte. Die Anfertigung und Einarbeitung der Fotomontagen in die Präsentation war keine schwierige, aber eine sehr langwierige Angelegenheit für die Schüler. Doch das sehr professionelle Endergebnis kann sich sehen lassen. Flörchinger regte an, die Buchstaben für die Planetentafeln mit einem Plotter auszuschneiden. Diese Maschine schneidet mit Hilfe eines Computerprogramms Zahlen und Figuren aus Styropor, von denen ein Wachsabdruck als Vorlage für die  Bronzegießerei gefertigt wird.
Die Schüler verdeutlichten anhand der Wachsmuster, mit deren Hilfe die Bronzegießerei die Symbole der einzelnen Planeten gießen kann, wie sie sich die zehn Stationen des Planetenweges vorstellen. Die Planeten werden als Bronzemodelle auf einem Sandsteinfelsen, der mit dem entsprechenden Schriftzug verziert ist, fixiert. Nachdem die Modelle für die Messingsymbole fertiggestellt waren, wurde das Projekt zunächst den Eltern der Schule präsentiert. Am 8 Juni trafen sich dann Projektleiter und Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft mit Landrat Hans Jörg Duppré,  Verbandsbürgermeister Wolfgang Bambey, dem Dahner Stadtchef Manfred Schreiner, dem Bruchweiler Bürgermeister Alfons Burkhart und der Hinterweidenthaler Bürgermeisterin Bärbel Schenk und stellten in Anwesenheit von Schulleiter Thomas M. Neuberger ihre Idee vor. 
„In der Südwestpfalz fehlt ein Planetenweg, der eine weitere Attraktion auch für Touristen darstellen würde“, argumentierten die Jugendlichen und führten als weitere Vorteile die Verschönerung des Radweges und die Möglichkeit der Bildung vor Ort an. 
Die Gäste zeigten sich begeistert, waren einhellig der Meinung, dass solch ein Planetenweg eine absolute Bereicherung des Dahner Felsenlandes darstelle und gaben, vorbehaltlich der Zustimmung der Gemeinderäte, ihre Zustimmung.
Nach den Sommerferien hatte die AG von Seiten der Kommunen grünes Licht. Doch nun galt es, das wohl größte Problem zu lösen: Wer finanziert das über 20.000 Euro teure Projekt? "Es wurde die Idee geboren, das Projekt unter "Leader+" einzuordnen, denn die Bürgermeister waren sich darüber einig, dass ein Planetenweg der Tourismusförderung diene“, berichtet Flörchinger. Leader+ ist ein Förderprogramm der Europäischen Union.
Im Mai beschloss der Dahner Stadtrat, die Trägerschaft für den Planetenweg zu übernehmen und sich mit zehn Prozent an den Gesamtkosten zu beteiligen. Im Sommer 2006 überzeugt die Arbeitsgemeinschaft dann den Ausschuss des Kreises mit ihrer Präsentation, worauf der entsprechende Antrag zur Förderung in Höhe von 25 000€ an das Wirtschaftsministerium des Landes Rheinland-Pfalz gestellt wurde. Im Herbst 2006 genehmigte der rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Tourismusminister Hendrik Hering der Stadt Dahn als Trägerin des Projekts „Planetenweg“ eine Zuweisung in Höhe von 20 000 Euro. „Dies ist ein besonders gelungenes Beispiel für die Verwirklichung des mit dem EU-Programm LEADER+ angestrebten bottom-up-Ansatzes“, erläuterte der Minister. „Der Weg informiert auf anschauliche Weise über unser Planetensystem“, urteilte er. Und: „Die Schüler haben ihre Gedanken und Vorstellungen nicht nur bei der konzeptionellen Entwicklung des Projektes eingebracht. Sie werden sich auch aktiv an den Gießarbeiten der Modelle, der Gestaltung der Informationstafeln und der Erstellung eines Informations-Flyers beteiligen.“ Die bewilligten 20 000 Euro stammen aus Mitteln der EU-Gemeinschaftsinitiative LEADER+ und aus Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz.
 
 
Mit zwei Gabelstablern musste die rund acht Tonnen schwere Sonne transportiert werden.
Am alten Bahnhof Reichenbach wurde sie auf einen Schwerkraftwagen der Eisenbahnfreunde verladen.
Die Eisenbahnfreunde unter Leitung von Fritz Gabriel brachten die Sonne zu ihrem endgültigen Standort nach Hinterweidenthal.
Pluto fliegt aus der ersten Liga
Bevor die Schüler jedoch mit der Anfertigung der ersten Modelle beginnen konnten, flog Pluto aus der ersten Liga der Planeten raus. Die Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union erklärte ihn zu einem zweitklassiger Zwergplaneten. Damit war es auch vorbei mit der kleinen, aber feinen Eselsbrücke ungezählter Schülergenerationen Mein Vater erklärte mir jeden Sonntag unsere neun Planeten“. Es war so einfach, sich die Reihenfolge der Planeten zu merken, die da sind: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und - nein leider nicht mehr - Pluto.
Auf dem Planetenweg im Dahner Felsenland hält man dem Sternchen allerdings die Treue. „Nein, der Pluto bleibt drin, wird aber in der Infotafel als Kleinstplanet benannt“, erklärt Flörchinger. 
Anfang März fertigten die Schüler mit Hilfe der anfangs entstandenen Wachsmodelle und unter Anleitung des Bronzegießers Peter Glasbrenner aus Schwäbisch Hall die ersten Planeten aus Bronze.Im Gegensatz zu den restlichen Planeten konnte die Sonne, die bei dem vorgegebenen Maßstab einen Durchmesser von 195,12 Zentimeter hat, nicht aus Bronze gegossen werden. Die Schüler entwickelten zwei Möglichkeiten: entweder das Sonnenmodell von einem Steinmetz aus massivem Sandstein herstellen zu lassen, preiswerter und natürlich auch leichter zu transportieren wäre eine mit 5 Zentimeter Beton umhüllte Styroporkugel. Doch einig waren sich alle, dass eine Sandsteinkugel optisch die beste Lösung sei.   
Als man dann die Masse einer massiven Sandsteinkugel berechnete, kam man mit Hilfe von Dichte und Volumen des Sandsteins auf acht Tonnen. Ein Sonnenmodell aus Beton würde dagegen „nur“ zwei bis drei Tonnen auf die Waage bringen. Wie so oft kam auch hier dem Team wieder der Zufall zu Hilfe. Im Herbst skipperte Flörchinger, der leidenschaftlich gerne segelt, eine junge Familie durch den Pfalz-Fun-Cup. Es stellte sich heraus, dass es sich um die Familie des Steinmetzmeisters Matthias Burkhart handelte. Natürlich war der sehr schnell in die Probleme der Planetenweg AG einbezogen und versprach, einen günstigen Rohling zu suchen. „Wenn die Schüler kräftig mithelfen, ist eine Sonne aus Sandstein durchaus finanzierbar“, erklärte Burkhart.
Bereits drei Wochen später war er fündig geworden. Aber auch für die anderen Planeten wurden Sockel aus Sandstein benötigt  Die ganze AG fuhr in den Wald und half, die ausgesuchten Findlinge mit schwerem Gerät aufzuladen, um sie an ihre neuen Bestimmungsorte zu bringen.
 
 
Infotafeln in drei Sprachen
„So gelangten in sehr kurzer Zeit Steine vom Römerfelsen in die Nähe der Wieslauter. Die Natur hätte dazu wohl um einiges länger gebraucht“, sagt Flörchinger. Natürlich dürfen an den inzwischen installierten Bronze-Modellen und an der Sonne Informationstafeln nicht fehlen. Die Schüler wälzten Fachliteratur, stöberten im Internet und erstellten für jeden der Himmelskörper eine ansprechende, gut verständliche Informationstafel, mit Texten in deutsch, englisch und französisch. „Hier geht ein großes Dankeschön an den Fachbereich Französisch, insbesondere an Elisabeth Reess und an den Fachbereich Deutsch, vertreten durch Jutta Wolf-Nitsche, für das Korrekturlesen“, sagt Flörchinger.
Am 20. April transportierten die 11 Schüler der Arbeitsgemeinschaft das Modell der Sonne vom Betrieb des Steinmetzmeisters Matthias Burkhart auf der Reichenbach nach Hinterweidenthal. Eine Aktion, für die sich die Eisenbahnfreunde mit ihrem vereinseigenen Schwerkraftwagen unter Leitung von Fritz Gabriel gerne hatten einspannen lassen.
 
 
 
Der Mathematik- und Physiklehrer Hennes  Flörchinger zeichnet sich für die Idee und Umsetzung vom "Planetenweg Dahner Felsenland" verantwortlich. 
Mit Flörchinger freuten sich bei der Einweihung der Landtagsabgeordnete Alexander Fuhr und Staatssekretär Siegfried Englert, der die Festrede hielt.
Für jeden der Himmelskörper erstellten die Schüler eine ansprechende, gut verständliche Informationstafel, mit Texten in Deutsch, Englisch und Französisch.
In der Reihenfolge der alten Eselsbrücke "Mein Vater erklärte mir jeden Sonntag unsere neun Planeten“ (Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto).sind die Modelle der Himmelskörper auch entlang dem Planetenweg „Dahner Felsenland“ zu finden. Der Weg beginnt kurz nach Ortausgang Hinterweidenthal mit der Sonne (Durchmesser 195,12 Zentimeter). Folgt man dann dem Radweg in Richtung Dahn steht nach rund 80 Metern der Merkur stehen. Nach 70 Metern kommt mit einem Durchmesser von 1,7 Zentimeter die Venus, nach weiteren 60 Metern erscheint die Erde, die einen Durchmesser von 1,79 Zentimetern hat. Zwischen Erde und dem 0,95 Zentimeter großen Mars liegen 110 Meter. Dann muss man eine Strecke von rund 770 Metern zurücklegen, dort steht an der Kreuzung Richtung Salzwoog der Jupiter. Saturn folgt nach knapp 1000 Metern und steht an der Kreuzung Dahner Weiher. Fast 2000 Meter liegen dann zwischen dem Saturn und dem 0,81 Zentimeter großen Uranus. Der ist vier mal so groß wie die Erde und trägt den Namen eines alten griechischen Gottes, der lange vor Zeus die Götterschar regiert haben soll. Entdeckt wurde er allerdings erst 1690, bis dahin hielt man ihn für einen Stern und nicht für einen Planeten.
2300 Meter weiter in Richtung Bruchweiler, Höhe Reichenbach, steht der Neptun, der mit fast sieben Zentimetern wieder eine etwas anschaulichere Größe hat. Pluto, mit dem der Planetenweg in Bruchweiler enden soll, ist der kleinste der Gestirne, sein Modell ist mit 0,32 Zentimetern kaum zu sehen. 
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