- Elsässischer Humor ist weder dezent noch
taktvoll, absolut schonungslos zeigt er sich allerdings dem Elsässer selbst
gegenüber. Dabei werden alle Schwächen erbarmungslos aufs Korn genommen.
- Eines der ältesten Beispiele stammt von
Martin Montanus, der um 1535 in Straßburg geboren wurde.
- Ein Bauer lies seinen Sohn studieren.
Derselbige machte ihm auch ein wüstes Loch in den Säckel, blies die roten
Pfennige tapfer hinaus und studierte doch nichts; denn der Vater verstand es
nicht.
- Und auf eine Zeit kam der Sohn wieder heim und
wollte mehr Geld holen. Dem guten Mann war die große Vergeudung seines
Sohnes schier verdrießlich und war auch seinem Säckel schier zuviel
gewesen.
- Und eines Tages lud er Mist; da stand der Sohn
vor der Tür und sah ihm zu. Da sagt der Vater: „Sohn, was heißt eine
Gabel?
- Antwortet der Sohn: „Gabelinum.“
- „Was heißt Mist?“
- Antwortet: „Mistelinum.“
- „Was heißt ein Wagen?“
- Antwortet: „Wagelinum.“
- „Ei“, sagt der Vater, „so nimm in
tausend Teufel Namen das Gabelinum und wirf das Mistelinum auf das Wagelinum!“
- Gab dem Sohn die Mistgabel in die Hand und
sprach: „Das sei forthin deine Schreibfeder, und lass Studieren Studieren
sein.“
-
- Von Jakob Frey, geboren um 1520 in Straßburg
und gestorben 1562 in Maursmünster, stammt folgende Geschichte:
- Die Bauern von Wintershausen hatten einen
alten zerbrochenen Herrgott und beschlossen, dass sie in der Fasten zwei aus
dem Gericht (= aus ihrer Gegend) zum Bildhauer schicken, damit er ihnen auf
den Palmtag und die Karwoche einen andern Herrgott machen solle, welchen sie
dann fortan in der Kirche zu gebrauchen hätten.
- Die zwei guten Biedermänner kamen gen Straßburg
zu einem Bildhauer , welcher ein rechter Fatzmann war. Sie zeigten ihm ihren
Befehl an; da sprach er, ob sie lieber einen lebendigen oder einen toten
Herrgott haben wollten, so wollte er ihnen einen machen, der ihnen gefiele.
- Der eine unter den Bauern vermeinte, man
sollte die Gemeinde daheim vorher darum befragen. Der andere sagte, es wäre
nicht vonnöten, sie müssten nur wissen, wie viel Geld jeder Herrgott
koste.
- Der Meister sagte, der tote brauche mehr
Arbeit und wäre kostbarer denn der lebendige, darum wäre der lebendige
Gott desto geringer. Die zwei gingen zu Rat und sagten darauf, so sollte er
ihnen einen lebendigen Herrgott machebn; wenn sie ihn heimbrächten und er
der Gemeinde nicht gefiele oder wo er sich sonst kantig mit ihnen halten würde,
so wollten sie ihn schon selbst totschlagen, es wäre ohnedies eben die
Marterwoche, da er zu leiden hätte und man seltsam mit ihm umginge.
-
- Ein bisschen jünger dafür aber um so mehr
von dieser Welt ist folgende Anekdote:
- Der Herr von Lichtenberg fährt mit der gräflichen
Kutsche durch das Amtsstädtchen Buchsweiler und sieht zu seiner größten
Verwunderung in einer Gasse einen jungen Mann, der ihm überraschend
gleicht. Er lässt den Kutscher anhalten und den jungen Mann an den
Verschlag kommen.
- Der Graf beugt sich aus dem offenen
Kutschenfenster und sagt vertraulich zwinkernd zu seinem Doppelgänger: „Sawen
emol, junger Mann, het Ejri Mamme friejer uff em Schloss von Lichdeberij
gedient?“
- „Net dass ich wiesst, Herr Graf. Soviel ich
weiss, isch miner Babbe emol Kütscher bi de gnädig Frau Gräfin gewenn....“
-
- In einem Land wie dem Elsass, das von 1870 bis
1945 fünfmal die Nationalität wechselte und wo man immer wieder
aufgefordert wurde, das zu verdammen, was vorher geglaubt werden musste,
kamen die tragikomischsten Dinge vor.
- Pfarrer Schmidt, der die Ungerechtigkeiten der
Nationalsozialisten angeprangert hatte, kam 1943 auf den Struthof, was die
Befreier nicht daran hinderte, ihn nach 1945 ein zweites Mal wegen
„Deutschfreundlichkeit“ an den gleichen Ort ‚in Kur’ zu schicken.
- Bei der Einlieferung soll ihm die
Gefangenennummer verpasst werden. Da krempelt er seinen Hemdsärmel hoch,
weist auf seine tätowierte Nummer und fragt den reich dekorierten Résistant:
„S’il-vous-plaít, gilt die noch, oder krej ich e neji?“
-
- Nach 1918 waren die Eisenbahnen der Pfalz und
des Saarlandes in die Verwaltung der Franzosen übergegangen. Diese schienen
nichts Eiligeres zu tun zu haben, als möglichst viele Namen zu französieren.
So stand auf den Fahrkarten nur noch Ratisbonne und Munich, Aix-la-Chapelle
und Cologne, Colblence und Deux-Ponts, Sarrebruck und Mayence, Fribourg und
Francfort um nur einige Städte zu nennen.
- Wollte da ein pfiffiges Bäuerlein nach
Ludwigshafen fahren und sagte am Schalter: „Genn mer e Kart noch
Potschamber de Louis.“
- Das war selbst den neuen Herren zu prosaisch.
Ludwigshafen blieb auch auf den Fahrkarten „Ludwigshafen“.
-
- Ab und zu werden in der
Jung-Sankt-Peter-Kirche von hochbegabten Virtuosen Orgelkonzerte gegeben.
- Da es bei der H.S.P. (Haute Société
Protestante, die ‚führende’ evangelische Bourgeoisie) zum guten Ton gehört,
diesen Konzerten beizuwohnen, sitzen nicht nur kunstbeflissene und gebildete
Menschen in den Kirchenbänken bei solch feierlichen Anlässen.
- Was Wunder, wenn auch mal Garderoben vorgeführt
oder gar Privatgespräche geführt werden. Besonders dies letztere ärgert
den Organisten und er sinnt auf eine List. Als er wieder einmal eine
Bach’sche Fuge spielt, lässt er die Musik so anschwellen, dass die
Frauen, denen an einer „Rätsch“ mehr als an der Andacht gelegen ist,
ihre Stimmen stark erheben müssen, um sich zu verständigen ....
- Als nun einige weibliche „Zuhörerinnen“
es zu bunt treiben, hört der Organist im stärksten Crescendo schlagartig
auf zu spielen, und durch die große Kirche dröhnt der Ruf der einen Frau:
„Moi, ch’achoute Touchours un peu de chambon (ich füge immer etwas
Schinken bei)!“
-
- Bevor wir uns dem Humor des Elsässers im
Allgemeinen widmen, erst einmal eine kleine Sammlung Witzchen über die
pfiffigen Senioren aus und um das Altenheim von „Wasseln“.
-
- Alles trägt Mini: ob sehr üppig, ob im
Gegenteil klapprig dürr – der Mode muss gehuldigt werden.
- Sitzt da in Wasselnheim vor dem Spital und
Altersheim ein betagter Herr mit seinem Hund. Ein sehr, sehr schlankes Mädchen
in maximalem Mini will sich auf die gleiche Bank setzen. Wütend kläfft der
Hund die mageren Beinchen des Mädchens an.
- „Nähme Sie doch Ihre blede Kläffer
weg!“, keift die Mamsell wütend.
- „Kumm her Gaunerle!“ sagt da der Mann zu
seinem Hund. Des sin ken Knoche, des solle Bein sin, weisch.“
-
- Lebte da im Altersheim des „Wassler“
Spitals ein uraltes Marktweib, die Kätt, das von seiner Tätigkeit sich
ausruhend, einen behaglichen Lebensabend genoss. Nur seinen Durst konnte das
tägliche Viertele Weiswein, den das Krankenhaus spendierte, nicht löschen.
Kätt legte daher jeden Centimes, den sie ergattern konnte, in einem „Schnäbbsele“
an, was ihre Nase mit täglich tieferer Rötung quittierte.
- Aber wie das so geht: der Schnaps wurde
teurer, die Kätt mehr beobachtet, das Geld knapper. So sehr die Kätt heute
auch ihren abgegriffenen Geldbeutel auftat und den Inhalt zählte, es langte
nicht mal mehr zu einem „Trawere“ (Treberbranntwein). So nahm sie denn
Zuflucht zur katholischen Kirche, wo sie vor dem Bilde der Maria mit dem
Jesukind ihr Herz ausschüttete. In ihrem frommen Eifer bemerkte sie nicht,
dass der junge Herr Vikar eben in einer Nische beschäftigt war. Sie glaubte
sich allein in der Kirche und klagte laut ihre Not: „Liewi Müeder Gottes,
dü weisch jo selbscht, wie’s alde Wiebsbilder geht. E langes Läwe
ham’mer uns geblöjt (geplagt) und jetzt wo mer alt sin, geht’s uns
dreckisch un mer han niemi die geringschd Freid. Wenn d’wodsch (du möchtest)
sah’s em Jesüskindele, dass ich halt gar so notwendisch e Schnäbbsele brüche
dät.“
- Der schelmische Vikar, der sich vornahm, die
Alte gründlich zu kurieren, verstellte seine Stimme so, als kämen die
Worte aus dem Munde des Jesuknaben und sagte: „Aldes Frauwele, süff
Wasser!“
- Da sprang aber die Kätt erregt auf, schwang
ihren großen Regenschirm gegen das Bild und rief: „Halt’s Mül, Dü
kleines Schnäberlebäberle (Schwätzerlein) und loss dini Mamme redde!“
-
- Der Elsässer aber ist, auch hier sind
wieder starke Parallelen zum Pfälzer zu erkennen, von einer einnehmenden
Geradlinigkeit und einer liebenswerten Naivität. Der Elsässische Humor
legt davon Zeugnis ab.
-
- Es
ist in der guten alten Zeit. Der betagte Revierförster vom „Guten
Brunnen“ hat einen Wilddieb erwischt, der eben einen Hasen „gestrickelt“
hatte und nun schnellstens davon rennt. Der Alte ihm prustend und schnaubend
hinterher; denn zum Schießen war die Hand längst zu zittrig!
- Nach einigen Minuten sieht der „Braconnier“
zurück und bemerkt, wie sauer dem dicken Alten dieser Sport wird.
- Also bleibt der Wilderer stehen, setzt sich
auf einen Baumstamm, legt den Hasen neben sich und zündet sich ein
Pfeifchen an.
- Wie der Förster das sieht, lässt auch er
sich schwer atmend auf einem Stein nieder.
- Man ruht ein Weilchen. Als des Försters Atem
ruhiger und regelmäßiger wird, steckt der Nichtsnutz sein Pfeifchen ein,
nimmt den Hasen auf und ruft hinüber: „Was esch, Ferschder, welle mer
wieder?“
-
- Auch wenn es um die traute Zweisamkeit
Vielverliebter geht, lässt sich die Nähe von Pfälzern und Elsässern
nicht verleugnen.
-
- Die achtzehnjährige Tochter steht immer noch
vor der Haustür. Die Mutter ruft nun schon zum x-ten Mal, sie solle doch
hereinkommen, da es draußen zu kalt sei. Die Tochter aber meint, der Mond
scheine heute Abend so schön.
- Nach einiger Zeit vernimmt man nochmals die
Stimme der Mutter: „Jetzt isch awer Schluss, Mariekel. Saahsch dem Mond,
er soll sin Vélo nähme und heimfahre.“
-
- Herr und Frau Herrmann sind schon etliche
Jahre verheiratet.
- „Carele“, flötet sie süß, „was dätsch
denn mache, wenn ich mol nimmie bie dir wär?“
- Er: „S' nämlich wie dü.“
- Darauf Madame Herrmann entrüstet: „Du
dreckischer Keib! Ich hab mer’s jo immer gedenkt, awer jetzt hesch dich
verrote!“
-
- Kindermund tut Wahrheit kund – das ist
wohl auf der ganzen Welt so. Darum sind die folgenden Anekdoten, so man sie
des lokaltypischen entkleidet, wohl fast international zu nennen.
-
- Bei
Herrn Kirchenpräsidenten ist die erste Gesellschaft eingeladen. Den Kindern
wurde ein Berg von schönen Sachen versprochen, wenn sie nach Ankunft der Gäste
ruhig im Bett blieben und sich in keiner Weise bemerkbar machten.
- Im
Empfangszimmer herrscht Kühle und betretenes Schweigen: man kennt sich
nicht besonders gut und dann die leidige Etikette...
- Da
öffnet sich die Tüt ein wenig. Ein Hemdenmatz guckt durch den Spalt:
„Mama, derfe mer des güete Cabinetbabier (Klopapier) nämme, wo dü hiet
füer d’Gäscht g’kauft hesch?“
- Das
Eis war gebrochen.
-
- Im Salzmanngässchen bei der Langen Straße
treffen sich zwei Jungen. Der eine, ein Zehnjähriger, fragt den kleineren:
„Sa mol, wie alt bisch?“
- „Sechs.“
- „So. Hesch au im Rode Hahne schun emol e
Seidel gesoffe?“
- „Nä.“
- „Flemmsch Ziges?“ (Rauchst du?)
- „Nä.“
- Hesch schun emol e Bibbel (Püppchen) gegnütscht?“
- „Nä.“
- „No bisch a kaan sechs.“
-
- Folgende Anekdote stammt von Johann Peter
Hebel
- Ein Büblein klagte seiner Mutter: „Der
Vater hat mir eine Ohrfeige gegeben.“
- Der Vater aber kam dazu und sagte: „Lügst
Du schon wieder? Willst Du noch eine?“
-
- Erhalten werden sollten wohl folgende
tiefsinnigen Beweise, wie die Elsässer mit einem 1000jährigen Reich
umgingen, dass noch nicht einmal 700 Monate Bestand hatte:
-
- Straßburg 1943. Am „Karl-Roos-Platz“
steht ein Elsässer. Ein Schupo interpelliert ihn: „He Sie, Moment mal,
was stehen Sie denn hier herum?“
- Keine Antwort.
- Polizist: „Ihr Herumlungern ist höchst verdächtig!
Wie heißen Sie?“
- Der Elsässer tut seinen Mund nicht auf.
„So, Sie weigern sich zu reden! Volksfeindliche Elemente haben wir genug.
Sie sind verhaftet!“
- Eben, als der Schupo seine Handschellen
anbringen will, sagt der Elsässer bedächtig: „Ich hab numme mol üsbrowiere
welle, was eim bi ejch bassiert, wem mer nix sait.“
-
- Die deutschen Behörden hatten 1943
vorgesehen, das Straßburger Münster, das bis zum Einzug der Franzosen 1681
natürlich evangelisch war, den Protestanten zurückzugeben.
- Alle Schriftstücke waren soweit aufgesetzt.
Es fehlte nur noch die Unterschrift des damaligen Kirchenpräsidenten Karl
Maurer.
- Als ein hoher deutscher Beamter das Zögern
Maurers sah, sagte er mit großer Sicherheit: „Was gibt es denn da zu überlegen!
Das Elsaß ist doch auf ewig deutsch.“
- Der erfahrene Elsässer schaute über seine
Brille den gestiefelten Herrn an und sagte mit näselnder Stimme: „Mein
Herr, die letzte Ewigkeit hatte knapp 22 Jahre gedauert.“
-
- 1944. Ernährungsknappheit, strenges Verbot
jeglicher Wucherpreise und des Schwarzmarktes. Der Knolle Robes von
Reitwiller verkauft dennoch Gänse am 50 Reichsmark das Stück und es
floriert.
- Sein Nachbar will es nachmachen. Er veröffentlicht
eine entsprechende Anzeige in den „Straßburger Neusten Nachrichten“ –
da kommt die Polizei und beschlagnahmt ihm seine Gändse.
- „Robes“, fragt der Nachbar, „Wieso kummt
d’Bolizeij nit auw züe dir? Dü verkaufsch doch dieni Gäns
auw züe 50 Marik!“
- „Ja, wenn dü dich nadierlich so dumm
anstellsch un inseriersch ‚Gänse à 50 RM zu verkaufen’! Ich annoncier
jedesmol:' 50 RM am Bahnhofplatz verloren. Der ehrliche Finder erhält eine
Gans’. Am nächste Daa het dann halb Strosburi mini fuffzig Marik
g’funde.“
-
- Aber auch die Franzosen bekommen ihr Fett
weg, denn eine Liebesheirat war es auch zwischen Monsieur d’Ile-de-France
und der Elsässermaid nicht unbedingt.
-
- Monsieur Francois ist ein eingewanderter „Parigot“,
ein Pariser, und hat wie die meisten Einwohner der Haupt- und Großstädte
eine große Klappe. Zudem ist er in der Provinz unglücklich, wie er sagt,
„Parce Que tout cà ne vaut jamais Paris“, und nörgelt an allem herum.
- Heute morgen war er wieder am Bäckerladen am
Zaberner Ring und beschwert sich, dass in besagtem Geschäft die „petits
pains“, die Brötchen, von Tag zu Tag kleiner würden, und schließt mit
der Bemerkung: „Jetzt kann ich ein ganzes Brötchen bereits mit einem Mal
in den Mund stecken.“
- Die Bäckerin, eine zugewanderte Hördterin,
bemerkt listig: „Des müess net unbedingt an de Wecke (Brötchen) leje!“
-
- Ein Elsässer stirbt. Petrus bedeutet ihm, das
er zur Hölle müsse. Da er Zeit seines Lebens seine nationale Zugehörigkeit
nie hatte wählen dürfen, ließ man ihm nun die Wahl zwischen deutscher und
französischer Hölle.
- Nachdem der der Verdammte sich erkundigt
hatte, was denn in einer Hölle so an Überraschungen auf ihn warteten, erklärte
ihm der Apostel: „Zuerst wirst du in einen Kessel gesteckt. Eine stinkige
Brühe kommt in den Kessel, dann wird Feuer darunter gemacht. Schließlich
wirst Du mit heißem Teer überzogen, mit Federn bedeckt und bekommst regelmäßig
mit einer Schlagmaschine auf den Kopf gehauen.“
- Fragt der Bedauernswerte: „Isch die Tortür
in beide Helle glich?“
- „Absolut“, antwortet Petrus.
- Spontan kommt der Wunsch: „Dann geh ich in
d’franzeesch Hell.“
- Über soviel Patriotismus bei einem Elsässer
zeigt sich der erfahrene Petrus nicht sonderlich erstaunt, fragt aber
dennoch nach der Ursache solch schnellen Entschlusses: „Ja, weisch Petrüs,
mer kenne d’Franzose! Amol geht ne s’Fier üs, dann het de Kessel e
Loch, no sin ne wieder kan Feddere geliefert wore, no isch d’Sclaamaschin
kapütt...“
-
- Fast aktuell politisch
-
- Eine Gruppe Ausländer besucht das Straßburger
Europahaus. Alles wird ihnen gezeigt: Empfangshalle und Konferenzsaal, Büroräume,
Dolmetscherkabinen, ja sogar die Garderobe. Als die Besucher sich eben
anschicken, das Haus zu verlassen, verlangt einer nach den Toiletten. Man
brauche hier keine Toiletten, wird ihm bedeutet.
- „Wieso?“
- „Sehen Sie, die Italiener brauchen keine
Toiletten, die haben doch schon längst ausgesch.... Die Deutschen auch
nicht, denn bekanntlich machen die aus jedem Sch...-dreck noch etwas, und
die Franzosen können sowieso nicht, wie sie wollen.“
- Besucher: „Ja, wenn aber zufällig auch mal
ein Elsässer das Europahaus besucht?“
- „Die brüeche doch am wenigschde e Cabinet!
Des isch doch bi de Elsässer schun lang bekannt: do sch... jeder de andere
an!“
- (Germain Muller)
-
- Ein weiterer Zeuge der gemeinsamen Wurzeln -
wenn auch von ganz anderer Art - ist Karl Kroll.
- Seine "Zeichenhefte für die
Kinderwelt", die Anfang der 20er Jahre bei der Verlagsbuchhandlung Rudolf
Beust, Leipzig, erschienen sind, berichten von einem ungewöhnlich modernen
und engagierten Pädagogen. Die Heftchen "Lasst uns klein sein mit den
Kleinen!", "Laß mich ein Kind sein, sei es mit!" und "O selig, ein Kind noch zu sein!"
fanden reisenden Absatz.
- Das letzte zeigt Szenen aus dem wunderschönen Märchenlande,
die Texte sind hinlänglich bekannt, und wurde von Kroll "für Kinderhand und Kinderherzen"
gezeichnet. Bemerkenswert die erste Geschichte "Lasst Sonne
herein", in der sich Kroll für einen modernen (Zeichen-) Unterricht
ausspricht.
- Karl Kroll, Anfang des 20. Jahrhunderts Lehrer in Bad
Kreuznach, war lange Zeit auch Zeichenlehrer in Wasselnheim.
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