Verständnis ist mehr als eine Frage der Sprache
 
braut-und-braeutigam
„Frankreich ist mein Vaterland – Deutsch meine Muttersprache“, ist ein Ausspruch der von einem neuen Selbstbewusstsein der Elsässer zeugt. 
"Verständnis aber ist mehr als eine Frage der Sprache", sagt Stadtchef Manfred Schreiner, der die Verpflichtungen, die seine Vorgänger in Sachen Städtepartnerschaft eingegangen waren, aus Überzeugung übernommen und weiter getragen hat. 
Nach dem  Krieg hatten die Elsässer - und wer will es ihnen verübeln - erst einmal von Deutschland die Nase voll. Zu tief waren die Wunden, die von deutschtümelnder Großmannsucht gerissen worden waren.
Die Grenze, die das Elsass wieder französisch werden ließ, unterbrach erst einmal alle Verbindungen nach Deutschland, die neue Generation lernte nicht einmal mehr die Sprache der Vorfahren. 
Doch bereits in den 70er Jahren begann eine Rückbesinnung und junge Elsässer - auch in Frankreich schrieben die 68er Geschichte - traten mit neu erwachtem Selbstbewusstsein für das Einmalige ihres elsässischen Völkchens ein.
Nur langsam kam auch wieder eine Annäherung an Deutschland, eine Annäherung, die in Städtepartnerschaften ihren Ausdruck fand.

Seit 1971 besteht die Partnerschaft zwischen Dahn und Wasselonne und dass die gemeinsamen Wurzeln nicht nur lebensfähig sondern sogar sehr lebendig sind, dieser Beweis wird hier mit Hilfe des elsässischen Humors gerne angetreten.

Braut und Bräutigam in Dahn - und wie es wirklich gewesen ist.
 
 
„Das Land der Vogesen und das Land des Schwarzwaldes waren wie die zwei Seiten eines Buches: ich sah deutlich vor mir, wie der Rhein sie nicht trennte, sondern vereinte, indem er sie mit seinem festen Falz zusammenhielt. Die eine der beiden Seiten wies nach Osten, die andere nach Westen, auf jeder stand der Anfang eines verschiedenen und doch verwandten Lieds, und so war es Europa, das offen vor mir lag. Vom Süden kam der Strom und ging nach Norden, und er sammelte in sich die Wasser aus dem Osten und die Wasser aus dem Westen, um sie als Einziges, Ganzes ins Meer zu tragen“, 
schrieb der elsässische Dichter René Schickele 1922
 
Elsässischer Humor ist weder dezent noch taktvoll, absolut schonungslos zeigt er sich allerdings dem Elsässer selbst gegenüber. Dabei werden alle Schwächen erbarmungslos aufs Korn genommen. 
Eines der ältesten Beispiele stammt von Martin Montanus, der um 1535 in Straßburg geboren wurde.
Ein Bauer lies seinen Sohn studieren. Derselbige machte ihm auch ein wüstes Loch in den Säckel, blies die roten Pfennige tapfer hinaus und studierte doch nichts; denn der Vater verstand es nicht.
Und auf eine Zeit kam der Sohn wieder heim und wollte mehr Geld holen. Dem guten Mann war die große Vergeudung seines Sohnes schier verdrießlich und war auch seinem Säckel schier zuviel gewesen.
Und eines Tages lud er Mist; da stand der Sohn vor der Tür und sah ihm zu. Da sagt der Vater: „Sohn, was heißt eine Gabel?
Antwortet der Sohn: „Gabelinum.“
„Was heißt Mist?“
Antwortet: „Mistelinum.“
„Was heißt ein Wagen?“
Antwortet: „Wagelinum.“
„Ei“, sagt der Vater, „so nimm in tausend Teufel Namen das Gabelinum und wirf das Mistelinum auf das Wagelinum!“
Gab dem Sohn die Mistgabel in die Hand und sprach: „Das sei forthin deine Schreibfeder, und lass Studieren Studieren sein.“
 
Von Jakob Frey, geboren um 1520 in Straßburg und gestorben 1562 in Maursmünster, stammt folgende Geschichte:
Die Bauern von Wintershausen hatten einen alten zerbrochenen Herrgott und beschlossen, dass sie in der Fasten zwei aus dem Gericht (= aus ihrer Gegend) zum Bildhauer schicken, damit er ihnen auf den Palmtag und die Karwoche einen andern Herrgott machen solle, welchen sie dann fortan in der Kirche zu gebrauchen hätten.
Die zwei guten Biedermänner kamen gen Straßburg zu einem Bildhauer , welcher ein rechter Fatzmann war. Sie zeigten ihm ihren Befehl an; da sprach er, ob sie lieber einen lebendigen oder einen toten Herrgott haben wollten, so wollte er ihnen einen machen, der ihnen gefiele.
Der eine unter den Bauern vermeinte, man sollte die Gemeinde daheim vorher darum befragen. Der andere sagte, es wäre nicht vonnöten, sie müssten nur wissen, wie viel Geld jeder Herrgott koste.
Der Meister sagte, der tote brauche mehr Arbeit und wäre kostbarer denn der lebendige, darum wäre der lebendige Gott desto geringer. Die zwei gingen zu Rat und sagten darauf, so sollte er ihnen einen lebendigen Herrgott machebn; wenn sie ihn heimbrächten und er der Gemeinde nicht gefiele oder wo er sich sonst kantig mit ihnen halten würde, so wollten sie ihn schon selbst totschlagen, es wäre ohnedies eben die Marterwoche, da er zu leiden hätte und man seltsam mit ihm umginge. 
 
Ein bisschen jünger dafür aber um so mehr von dieser Welt ist folgende Anekdote: 
Der Herr von Lichtenberg fährt mit der gräflichen Kutsche durch das Amtsstädtchen Buchsweiler und sieht zu seiner größten Verwunderung in einer Gasse einen jungen Mann, der ihm überraschend gleicht. Er lässt den Kutscher anhalten und den jungen Mann an den Verschlag kommen.
Der Graf beugt sich aus dem offenen Kutschenfenster und sagt vertraulich zwinkernd zu seinem Doppelgänger: „Sawen emol, junger Mann, het Ejri Mamme friejer uff em Schloss von Lichdeberij gedient?“
„Net dass ich wiesst, Herr Graf. Soviel ich weiss, isch miner Babbe emol Kütscher bi de gnädig Frau Gräfin gewenn....“
 
In einem Land wie dem Elsass, das von 1870 bis 1945 fünfmal die Nationalität wechselte und wo man immer wieder aufgefordert wurde, das zu verdammen, was vorher geglaubt werden musste, kamen die tragikomischsten Dinge vor.
Pfarrer Schmidt, der die Ungerechtigkeiten der Nationalsozialisten angeprangert hatte, kam 1943 auf den Struthof, was die Befreier nicht daran hinderte, ihn nach 1945 ein zweites Mal wegen „Deutschfreundlichkeit“ an den gleichen Ort ‚in Kur’ zu schicken.
Bei der Einlieferung soll ihm die Gefangenennummer verpasst werden. Da krempelt er seinen Hemdsärmel hoch, weist auf seine tätowierte Nummer und fragt den reich dekorierten Résistant: „S’il-vous-plaít, gilt die noch, oder krej ich e neji?“
 
Nach 1918 waren die Eisenbahnen der Pfalz und des Saarlandes in die Verwaltung der Franzosen übergegangen. Diese schienen nichts Eiligeres zu tun zu haben, als möglichst viele Namen zu französieren. So stand auf den Fahrkarten nur noch Ratisbonne und Munich, Aix-la-Chapelle und Cologne, Colblence und Deux-Ponts, Sarrebruck und Mayence, Fribourg und Francfort um nur einige Städte zu nennen.
Wollte da ein pfiffiges Bäuerlein nach Ludwigshafen fahren und sagte am Schalter: „Genn mer e Kart noch Potschamber de Louis.“
Das war selbst den neuen Herren zu prosaisch. Ludwigshafen blieb auch auf den Fahrkarten „Ludwigshafen“.
 
Ab und zu werden in der Jung-Sankt-Peter-Kirche von hochbegabten Virtuosen Orgelkonzerte gegeben.
Da es bei der H.S.P. (Haute Société Protestante, die ‚führende’ evangelische Bourgeoisie) zum guten Ton gehört, diesen Konzerten beizuwohnen, sitzen nicht nur kunstbeflissene und gebildete Menschen in den Kirchenbänken bei solch feierlichen Anlässen.
Was Wunder, wenn auch mal Garderoben vorgeführt oder gar Privatgespräche geführt werden. Besonders dies letztere ärgert den Organisten und er sinnt auf eine List. Als er wieder einmal eine Bach’sche Fuge spielt, lässt er die Musik so anschwellen, dass die Frauen, denen an einer „Rätsch“ mehr als an der Andacht gelegen ist, ihre Stimmen stark erheben müssen, um sich zu verständigen ....
Als nun einige weibliche „Zuhörerinnen“ es zu bunt treiben, hört der Organist im stärksten Crescendo schlagartig auf zu spielen, und durch die große Kirche dröhnt der Ruf der einen Frau: „Moi, ch’achoute Touchours un peu de chambon (ich füge immer etwas Schinken bei)!“
 
Bevor wir uns dem Humor des Elsässers im Allgemeinen widmen, erst einmal eine kleine Sammlung Witzchen über die pfiffigen Senioren aus und um das Altenheim von „Wasseln“. 
 
Alles trägt Mini: ob sehr üppig, ob im Gegenteil klapprig dürr – der Mode muss gehuldigt werden.
Sitzt da in Wasselnheim vor dem Spital und Altersheim ein betagter Herr mit seinem Hund. Ein sehr, sehr schlankes Mädchen in maximalem Mini will sich auf die gleiche Bank setzen. Wütend kläfft der Hund die mageren Beinchen des Mädchens an.
„Nähme Sie doch Ihre blede Kläffer weg!“, keift die Mamsell wütend.
„Kumm her Gaunerle!“ sagt da der Mann zu seinem Hund. Des sin ken Knoche, des solle Bein sin, weisch.“
 
Lebte da im Altersheim des „Wassler“ Spitals ein uraltes Marktweib, die Kätt, das von seiner Tätigkeit sich ausruhend, einen behaglichen Lebensabend genoss. Nur seinen Durst konnte das tägliche Viertele Weiswein, den das Krankenhaus spendierte, nicht löschen. Kätt legte daher jeden Centimes, den sie ergattern konnte, in einem „Schnäbbsele“ an, was ihre Nase mit täglich tieferer Rötung quittierte.
Aber wie das so geht: der Schnaps wurde teurer, die Kätt mehr beobachtet, das Geld knapper. So sehr die Kätt heute auch ihren abgegriffenen Geldbeutel auftat und den Inhalt zählte, es langte nicht mal mehr zu einem „Trawere“ (Treberbranntwein). So nahm sie denn Zuflucht zur katholischen Kirche, wo sie vor dem Bilde der Maria mit dem Jesukind ihr Herz ausschüttete. In ihrem frommen Eifer bemerkte sie nicht, dass der junge Herr Vikar eben in einer Nische beschäftigt war. Sie glaubte sich allein in der Kirche und klagte laut ihre Not: „Liewi Müeder Gottes, dü weisch jo selbscht, wie’s alde Wiebsbilder geht. E langes Läwe ham’mer uns geblöjt (geplagt) und jetzt wo mer alt sin, geht’s uns dreckisch un mer han niemi die geringschd Freid. Wenn d’wodsch (du möchtest) sah’s em Jesüskindele, dass ich halt gar so notwendisch e Schnäbbsele brüche dät.“
Der schelmische Vikar, der sich vornahm, die Alte gründlich zu kurieren, verstellte seine Stimme so, als kämen die Worte aus dem Munde des Jesuknaben und sagte: „Aldes Frauwele, süff Wasser!“
Da sprang aber die Kätt erregt auf, schwang ihren großen Regenschirm gegen das Bild und rief: „Halt’s Mül, Dü kleines Schnäberlebäberle (Schwätzerlein) und loss dini Mamme redde!“
   
Der Elsässer aber ist, auch hier sind wieder starke Parallelen zum Pfälzer zu erkennen, von einer einnehmenden Geradlinigkeit und einer liebenswerten Naivität. Der Elsässische Humor legt davon Zeugnis ab.  
 
 Es ist in der guten alten Zeit. Der betagte Revierförster vom „Guten Brunnen“ hat einen Wilddieb erwischt, der eben einen Hasen „gestrickelt“ hatte und nun schnellstens davon rennt. Der Alte ihm prustend und schnaubend hinterher; denn zum Schießen war die Hand längst zu zittrig!
Nach einigen Minuten sieht der „Braconnier“ zurück und bemerkt, wie sauer dem dicken Alten dieser Sport wird.
Also bleibt der Wilderer stehen, setzt sich auf einen Baumstamm, legt den Hasen neben sich und zündet sich ein Pfeifchen an.
Wie der Förster das sieht, lässt auch er sich schwer atmend auf einem Stein nieder.
Man ruht ein Weilchen. Als des Försters Atem ruhiger und regelmäßiger wird, steckt der Nichtsnutz sein Pfeifchen ein, nimmt den Hasen auf und ruft hinüber: „Was esch, Ferschder, welle mer wieder?“
 
Auch wenn es um die traute Zweisamkeit Vielverliebter geht, lässt sich die Nähe von Pfälzern und Elsässern nicht verleugnen.
 
Die achtzehnjährige Tochter steht immer noch vor der Haustür. Die Mutter ruft nun schon zum x-ten Mal, sie solle doch hereinkommen, da es draußen zu kalt sei. Die Tochter aber meint, der Mond scheine heute Abend so schön.
Nach einiger Zeit vernimmt man nochmals die Stimme der Mutter: „Jetzt isch awer Schluss, Mariekel. Saahsch dem Mond, er soll sin Vélo nähme und heimfahre.“
 
Herr und Frau Herrmann sind schon etliche Jahre verheiratet.
„Carele“, flötet sie süß, „was dätsch denn mache, wenn ich mol nimmie bie dir wär?“
Er: „S' nämlich wie dü.“
Darauf Madame Herrmann entrüstet: „Du dreckischer Keib! Ich hab mer’s jo immer gedenkt, awer jetzt hesch dich verrote!“
 
Kindermund tut Wahrheit kund – das ist wohl auf der ganzen Welt so. Darum sind die folgenden Anekdoten, so man sie des lokaltypischen entkleidet, wohl fast international zu nennen.
 
Bei Herrn Kirchenpräsidenten ist die erste Gesellschaft eingeladen. Den Kindern wurde ein Berg von schönen Sachen versprochen, wenn sie nach Ankunft der Gäste ruhig im Bett blieben und sich in keiner Weise bemerkbar machten.
Im Empfangszimmer herrscht Kühle und betretenes Schweigen: man kennt sich nicht besonders gut und dann die leidige Etikette...
Da öffnet sich die Tüt ein wenig. Ein Hemdenmatz guckt durch den Spalt: „Mama, derfe mer des güete Cabinetbabier (Klopapier) nämme, wo dü hiet füer d’Gäscht g’kauft hesch?“
Das Eis war gebrochen. 
 
Im Salzmanngässchen bei der Langen Straße treffen sich zwei Jungen. Der eine, ein Zehnjähriger, fragt den kleineren: „Sa mol, wie alt bisch?“
„Sechs.“
„So. Hesch au im Rode Hahne schun emol e Seidel gesoffe?“
„Nä.“
„Flemmsch Ziges?“ (Rauchst du?)
„Nä.“
Hesch schun emol e Bibbel (Püppchen) gegnütscht?“
„Nä.“
„No bisch a kaan sechs.“
 
Folgende Anekdote stammt von Johann Peter Hebel
Ein Büblein klagte seiner Mutter: „Der Vater hat mir eine Ohrfeige gegeben.“
Der Vater aber kam dazu und sagte: „Lügst Du schon wieder? Willst Du noch eine?“
Erhalten werden sollten wohl folgende tiefsinnigen Beweise, wie die Elsässer mit einem 1000jährigen Reich umgingen, dass noch nicht einmal 700 Monate Bestand hatte:
 
Straßburg 1943. Am „Karl-Roos-Platz“ steht ein Elsässer. Ein Schupo interpelliert ihn: „He Sie, Moment mal, was stehen Sie denn hier herum?“
Keine Antwort.
Polizist: „Ihr Herumlungern ist höchst verdächtig! Wie heißen Sie?“
Der Elsässer tut seinen Mund nicht auf. „So, Sie weigern sich zu reden! Volksfeindliche Elemente haben wir genug. Sie sind verhaftet!“
Eben, als der Schupo seine Handschellen anbringen will, sagt der Elsässer bedächtig: „Ich hab numme mol üsbrowiere welle, was eim bi ejch bassiert, wem mer nix sait.“
 
Die deutschen Behörden hatten 1943 vorgesehen, das Straßburger Münster, das bis zum Einzug der Franzosen 1681 natürlich evangelisch war, den Protestanten zurückzugeben.
Alle Schriftstücke waren soweit aufgesetzt. Es fehlte nur noch die Unterschrift des damaligen Kirchenpräsidenten Karl Maurer.
Als ein hoher deutscher Beamter das Zögern Maurers sah, sagte er mit großer Sicherheit: „Was gibt es denn da zu überlegen! Das Elsaß ist doch auf ewig deutsch.“
Der erfahrene Elsässer schaute über seine Brille den gestiefelten Herrn an und sagte mit näselnder Stimme: „Mein Herr, die letzte Ewigkeit hatte knapp 22 Jahre gedauert.“
 
1944. Ernährungsknappheit, strenges Verbot jeglicher Wucherpreise und des Schwarzmarktes. Der Knolle Robes von Reitwiller verkauft dennoch Gänse am 50 Reichsmark das Stück und es floriert.
Sein Nachbar will es nachmachen. Er veröffentlicht eine entsprechende Anzeige in den „Straßburger Neusten Nachrichten“ – da kommt die Polizei und beschlagnahmt ihm seine Gändse.
„Robes“, fragt der Nachbar, „Wieso kummt d’Bolizeij nit auw züe dir? Dü verkaufsch doch dieni Gäns auw züe 50 Marik!“
„Ja, wenn dü dich nadierlich so dumm anstellsch un inseriersch ‚Gänse à 50 RM zu verkaufen’! Ich annoncier jedesmol:' 50 RM am Bahnhofplatz verloren. Der ehrliche Finder erhält eine Gans’. Am nächste Daa het dann halb Strosburi mini fuffzig Marik g’funde.“
 
Aber auch die Franzosen bekommen ihr Fett weg, denn eine Liebesheirat war es auch zwischen Monsieur d’Ile-de-France und der Elsässermaid nicht unbedingt.
 
Monsieur Francois ist ein eingewanderter „Parigot“, ein Pariser, und hat wie die meisten Einwohner der Haupt- und Großstädte eine große Klappe. Zudem ist er in der Provinz unglücklich, wie er sagt, „Parce Que tout cà ne vaut jamais Paris“, und nörgelt an allem herum.
Heute morgen war er wieder am Bäckerladen am Zaberner Ring und beschwert sich, dass in besagtem Geschäft die „petits pains“, die Brötchen, von Tag zu Tag kleiner würden, und schließt mit der Bemerkung: „Jetzt kann ich ein ganzes Brötchen bereits mit einem Mal in den Mund stecken.“
Die Bäckerin, eine zugewanderte Hördterin, bemerkt listig: „Des müess net unbedingt an de Wecke (Brötchen) leje!“
 
Ein Elsässer stirbt. Petrus bedeutet ihm, das er zur Hölle müsse. Da er Zeit seines Lebens seine nationale Zugehörigkeit nie hatte wählen dürfen, ließ man ihm nun die Wahl zwischen deutscher und französischer Hölle.
Nachdem der der Verdammte sich erkundigt hatte, was denn in einer Hölle so an Überraschungen auf ihn warteten, erklärte ihm der Apostel: „Zuerst wirst du in einen Kessel gesteckt. Eine stinkige Brühe kommt in den Kessel, dann wird Feuer darunter gemacht. Schließlich wirst Du mit heißem Teer überzogen, mit Federn bedeckt und bekommst regelmäßig mit einer Schlagmaschine auf den Kopf gehauen.“
Fragt der Bedauernswerte: „Isch die Tortür in beide Helle glich?“
„Absolut“, antwortet Petrus.
Spontan kommt der Wunsch: „Dann geh ich in d’franzeesch Hell.“
Über soviel Patriotismus bei einem Elsässer zeigt sich der erfahrene Petrus nicht sonderlich erstaunt, fragt aber dennoch nach der Ursache solch schnellen Entschlusses: „Ja, weisch Petrüs, mer kenne d’Franzose! Amol geht ne s’Fier üs, dann het de Kessel e Loch, no sin ne wieder kan Feddere geliefert wore, no isch d’Sclaamaschin kapütt...“
 
Fast aktuell politisch
 
Eine Gruppe Ausländer besucht das Straßburger Europahaus. Alles wird ihnen gezeigt: Empfangshalle und Konferenzsaal, Büroräume, Dolmetscherkabinen, ja sogar die Garderobe. Als die Besucher sich eben anschicken, das Haus zu verlassen, verlangt einer nach den Toiletten. Man brauche hier keine Toiletten, wird ihm bedeutet.
„Wieso?“
„Sehen Sie, die Italiener brauchen keine Toiletten, die haben doch schon längst ausgesch.... Die Deutschen auch nicht, denn bekanntlich machen die aus jedem Sch...-dreck noch etwas, und die Franzosen können sowieso nicht, wie sie wollen.“
Besucher: „Ja, wenn aber zufällig auch mal ein Elsässer das Europahaus besucht?“
„Die brüeche doch am wenigschde e Cabinet! Des isch doch bi de Elsässer schun lang bekannt: do sch... jeder de andere an!“
(Germain Muller)
 
Ein weiterer Zeuge der gemeinsamen Wurzeln - wenn auch von ganz anderer Art - ist Karl Kroll.  
Seine "Zeichenhefte für die Kinderwelt", die Anfang der 20er Jahre bei der Verlagsbuchhandlung Rudolf Beust, Leipzig, erschienen sind, berichten von einem ungewöhnlich modernen und engagierten Pädagogen. Die Heftchen "Lasst uns klein sein mit den Kleinen!", "Laß mich ein Kind sein, sei es mit!" und "O selig, ein Kind noch zu sein!" fanden reisenden Absatz.
Das letzte zeigt Szenen aus dem wunderschönen Märchenlande, die Texte sind hinlänglich bekannt, und wurde von Kroll "für Kinderhand und Kinderherzen" gezeichnet. Bemerkenswert die erste Geschichte "Lasst Sonne herein", in der sich Kroll für einen modernen (Zeichen-) Unterricht ausspricht.
Karl Kroll, Anfang des 20. Jahrhunderts Lehrer in Bad Kreuznach, war lange Zeit auch Zeichenlehrer in Wasselnheim.
 
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- Hier geht es zu Karl Kroll -
Lassen Sie sich verzaubern
von der - damals schon revolutionären -  pädagogischen Überzeugung
des Zeichenlehrers Karl Kroll und seinen liebenswerten Zeichnungen.

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