40 Jahre Dahner Stadtrechte

Ein Rückblick von Peter Johann

Der Tag der Stadterhebung am 27. Oktober 1963 sollte als das bedeutendste Ereignis in die Geschichte Dahns eingehen, wie es der damalige Bürgermeister Karl Buchheit in einem „Rundbrief an die Bürgerschaft von Dahn“ schrieb. Bereits um 6 Uhr erschallte der Weckruf des Spielmannszugs der Kolpingfamilie durch die Straßen. Am Ortseingang aus Richtung Hinterweidenthal empfing ein Transparent über die Straße „Dahn grüßt zur Stadterhebung“ die Autofahrer. Im Flaggenschmuck zeigten sich die Hauptgebäude und Bürgerhäuser, die Marktstraße, das Rathaus und die Plätze. Festlich gekleidete Menschen säumten die Straßen in Erwartung der Ehrengäste.
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Foto: Peter Johann

 

Punkt 10 Uhr traf der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Dr. Peter Altmeier mit seinem Dienstwagen mit Standarte unterhalb des Jungfernsprungs ein. Er wurde dort von den Dahner Honoratioren, an ihrer Spitze Bürgermeister Karl Buchheit, empfangen. Zum Empfang waren auch die Schulkinder mit Fähnchen in den neuen Gemeindefarben Grün/Gelb und eine erwartungsfroh gestimmte Menge gekommen. Die 13-jährige Gabriele Johann überreichte dem Ministerpräsidenten einen Strauß weiß-roter Nelken und sprach ein Begrüßungsgedicht. Vom Jungfernsprung erklangen Jagdhörner mit dem „Fürstengruß“. Nach einem Festgottesdienst beider Konfessionen fuhr die Wagenkolonne zur Aula des Gymnasiums, wo der Festakt stattfand, der vom Orchester des Pfalztheaters, dem Dahner Männergesangverein und den beiden Kirchenchören musikalisch gestaltet wurde und der mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne endete.

Als der Ministerpräsident dem Bürgermeister die Urkunde über die Erhebung Dahns zur Stadt überreichte, läuteten alle Glocken in der Stadt  und die Dahner gaben ihrer Freude mit Böllerschüssen Ausdruck. In der Nähe des Gymnasiums stiegen 1.000 Brieftauben auf. Im Pausenhof des „grünen Schulhauses“ ließen die Kinder Luftballons fliegen, große Festbrezeln wurden verteilt. Bei Einbruch der Dunkelheit brannte vom Jungfernsprung ein Brillantfeuerwerk ab. Erstmals wurde abends das Dahner Wahrzeichen mit Scheinwerfern angestrahlt. Der Tag klang aus mit einem „Freitanz“ in neun Dahner Gaststätten. Die Polizeistunde war auf 3 Uhr verlängert worden. Am Montag  waren die alten und kranken Dahner Bürger in den Saal der Gastwirtschaft Schantz eingeladen. Auf dem Marktplatz fand ein Standkonzert statt. Montags war schulfrei, die Betriebe und Behörden hatten geschlossen.

 
Dahn vor 40 Jahren

Mit der Erhebung zur Stadt hatte die über 1.100 Jahre alte Geschichte der Gemeinde Dahn einen ehrenvollen Abschluss gefunden. Dahn war jetzt Stadt und hatte Rodalben und Eisenberg den Rang als jüngste Stadt in Rheinland-Pfalz abgelaufen. Es war damals für viele, die Dahn erstmals kennen lernten, verwunderlich, dass der Luftkurort im verwaltungsrechtlichen Sinne so lange ein „Dorf“ geblieben war.

Als Herz und Mittelpunkt des Dahner Tals besaß Dahn schon seit vielen Jahrzehnten einige behördliche Einrichtungen von kleinstädtischem Gepräge. So zum Beispiel das Amtsgericht, das Finanzamt, ein Notariat, ein Arbeitsamt, die AOK, das Forstamt, das Krankenhaus. Dies war jedoch nicht allein der Grund, der die Mitglieder des Gemeinderats bewogen hatte, bei der Landesregierung den Antrag auf Verleihung der Stadtrechte zu stellen. Dahns industrieller Aufschwung, seine in den Jahren zuvor immer größer gewordene Bedeutung für Kurgäste aus nah und fern, der Wille der Gemeinde, Dahn durch bauliche Veränderungen und Verbesserungen in seinem Aussehen weitgehend städtischen Charakter zu verleihen, rechtfertigten damals die Antragstellung.

Zuwachs von 3.000 Einwohnern blieb aus

Im Jahr 1963 zählte Dahn knapp 4.500 Einwohner. Die Einwohnerzahl vermehrte sich seit 1900 um mehr als das dreifache. Damals rechnete man mit einem weiteren Zuwachs um etwa 3.000 Einwohner, der sich jedoch nicht einstellte. Das Vermögen der Gemeinde betrug rund 4,5 Millionen Mark. Dem standen Schulden von rund 381.000 Mark gegenüber. Die drei Geldinstitute  am Ort, die Volksbank, Raiffeisenbank und die Kreissparkasse machten einen jährlichen Geldumsatz von rund 320 Millionen Mark. Die zehn Schuhfabriken in Dahn, von denen die Betriebe Cronauer/Eisel, Weibel und Klan sich zu stattlicher Größe entwickelt hatten, produzierten jährlich 1,5 Millionen Paar Schuhe, was einem Wertansatz von 30 Millionen Mark entsprach. In der Spankorbfabrik, die sich 1952 als Flüchtlingsbetrieb ansiedelte, wurden jährlich rund 850.000 Spankörbe im Wert von etwa 700.000 Mark hergestellt. Insgesamt 203 Gewerbe treibende Betriebe hatte damals die Statistik erfasst, in der weiterhin 2.168 Beschäftigte, darunter 842 Einpendler, gezählt wurden.

Kein Beamtenstädtchen

Obwohl bei den Behörden und Schulen viele Beamte und Angestellte tätig waren, traf die Bezeichnung „Beamtenstädtchen“ auf Dahn nicht ganz zu. Das Geschäftsleben war vielseitig gestaltet und wurde als ideal für eine Kleinstadt angesehen. Unter den 45 Einzelhandelsgeschäften waren einige, die auch in einer größeren Stadt konkurrenzfähig gewesen wären. Zur Zeit der Stadterhebung gab es in Dahn etwa 550 Autos und über 1.000 Bürger waren im Besitz einer Fahrerlaubnis. Enorm war in dieser Zeit der Ausbau der Straßen. Kurze Zeit vorher wurde die Straße von Hinterweidenthal über Dahn nach Kandel zur Bundesstraße erhoben, der Kurort entwickelte sich zum Verkehrszentrum. Heute ist man gar nicht mehr so glücklich, dass die Bundesstraße das Herz Dahn durchschneidet und wünscht sich eine Ortsumgehung.

Als eine der wichtigsten zivilisatorischen Einrichtungen, die eine Stadt ausmachen, hatte Dahn ein Krankenhaus vorzuweisen. Im Laufe der Jahre erwarb es sich einen beachtlichen Ruf, weit über das Dahner Tal hinaus. Jährlich wurden dort etwa 1.100 Operationen durchgeführt. Sehr viel getan hatte man auf dem schulischen Sektor. Das im Jahr 1952 gegründete Gymnasium, für das dessen Träger, die neu ernannte Stadt, 1,6 Millionen Mark aufgewendete hatte, wurde damals von 325 Schülern besucht. In dem im Jahr 1957 von der Diözese erbauten Studienheim wohnten 150 Schüler. In der alten Volksschule, dem in Dahn so genannten „grünen Schulhaus“, lernten mehr als 500 Dahner Kinder das Einmaleins. Die Zweigstelle Dahn der Kreisberufsschule in Rodalben wurde von rund 350 Schülern aus 16 Gemeinden des Dahner Tals besucht.

Kultureller Mittelpunkt

Einige kulturelle Bestrebungen fanden in den 60-er Jahren ihren Ursprung. In dem Kurort hatten mit Erik Pohl-Kamin, Heinrich Halfen und Richard Lenhard drei namhafte Maler mit einem guten Namen in der ganzen Pfalz ihre Wahlheimat gefunden. Ihre Erfolge sprachen nicht nur für sich sondern stärkten auch den Ruf Dahns als kultureller Mittelpunkt. Dem städtischen Charakter wurden auch die Bestrebungen des Gemeinderats gerecht, der sich kurz vor der Stadterhebung für den Bau eines Schwimmbads mit olympischen Maßen und des heutigen Sportcenters im Büttelwoog entschieden hatte. Die idyllisch gelegene Wasgau-Metropole zog auch damals schon immer stärker Feriengäste an, die einen beschaulichen und ruhigen Urlaub verbringen wollten. Davon profitierten die 32 Beherbergungsbetriebe, von denen die Jugendherberge mit 14.000 Übernachtungen jährlich den größten Zuspruch erhielt. Der Ministerpräsident sah in der Stadterklärung Dahns nicht nur die Krönung einer langen erfolgreichen Entwicklungsperiode sondern vielmehr den Ausgangspunkt einer neuen kraftvollen Entfaltung der jungen Stadt.      

 
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