
Der Struwwelpeter in Dahn
Am 19. September 1848 besuchte der Autor des Struwwelpeters Heinrich Hoffmann, der sich auch mit zahlreichen zeitkritischen Veröffentlichungen einen Namen gemacht hatte, die kleine Gemeinde Dahn. In seinen Lebenserinnerungen beschreibt Hoffmann, wie er mit Hilfe eines Führers vom Trifels über Annweiler, Hauenstein und Erfweiler nach Dahn kam. Hier habe er in der "Neuen Pfalz" bei Frau Schreiber logiert. Anschließend besuchte er die "interessanten Burgen Alt-Dahn und Grafendahn mit ihren in den roten Sandstein gehauenen Toren, Gängen und Gemächern." Besonders interessierte ihn ein damals erst kürzlich durch einen Felsabsturz bloßgelegtes, in den Fels gehauenes zuckerhutförmiges, oben vermauertes Verlies, in dem ein Skelett gefunden worden war. |
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Zeichnung von Mendelsohn-Bartholdy |
Vier Jahre zuvor war der Komponist und Freizeitmaler Felix Mendelsohn-Bartholdy auf der Burgengruppe Altdahn gewesen und hatte dort zwei Bilder gemalt. Auf dem einen ist der von Hoffmann beschriebene Teil der Burg vor dem Felsabbruch zu sehen. "Stimmen die Angaben Hoffmanns, so muss der Fels zwischen 1844 bis 1848 wie durch einen gewaltigen Messerschnitt getrennt worden sein" vermutete der verstorbene Lehrer Alois Schultz, der sich intensiv mit der Geschichte der Dahner Burgen beschäftigt hat. Unklar ist bis heute die Ursache für den mächtigen Felsabbruch. Einige Experten gehen von einem Blitzeinschlag aus, andere sehen den Abbruch als Folge natürlicher Erosionen. In seinen Lebenserinnerungen beschreibt Hoffmann, dass er nach seiner Rückkehr von der Dreierburg in der Dahner Wirtsstube auf einen Freund aus den Heidelberger Studententagen traf, mit dem er den ganzen Abend verplauderte. Am nächsten Tag wanderte Hoffmann weiter, erreichte über Busenberg mit seinem Drachenfels die Gemeinde Birkenhördt "wo ich ausgehungert nur mit Mühe ein paar Eier, ein paar Kartoffeln und einen trüben, sauren Wein zum Mittagessen bekommen konnte, welchem der Ortspfarrer noch aus Barmherzigkeit etwas schlechte Butter und unreife Pflaumen beifügte." In Birkenhördt erfuhr Hoffmann von den Unruhen in Frankfurt, die noch im gleichen Jahr zur Revolution führten. Umgehend machte er sich auf den Weg nach Bergzabern, wo er einen Pferdewagen mietete. Noch in der gleichen Nacht erreichte er Edenkoben, von wo aus er sich auf den Weg ins heimische Frankfurt machte. Dort kam er voller Sorge um seine Frau uns sein kleines Kind am 21. September um drei Uhr an. Hoffmann, der zu dieser Zeit schon seit mehreren Jahren Mitglied des "Gesetzgebenden Körpers" in Frankfurt war, trieb seinen Kampf "um die Emanzipation der Juden und für die Öffentlichkeit unserer Sitzungen" weiter voran. |